Wie starte ich ein Online-Business, Tanja Lenke? [shepreneur]

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Hey liebe Business Mama, willkommen im Mama Business Podcast-Interview. Heute ist die liebe Tanja von she>preneur mein Gast. Tanja ist Online-Business Strategin und unterstützt Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Uns wird sie heute viele spannende Tipps für dein eigenes Online-Business geben. Viel Spaß beim Zuhören oder lesen.

Im Text findest du die Zeitstempel aus dem Podcast, falls du lieber Hören statt Lesen möchtest. Das sieht dann so aus: [00:03:12]

Vorstellung

Nadine: Hallo Tanja, vielen Dank, dass du dir heute Zeit genommen hast für unser Interview. Du bist in einem sehr spannenden Bereich tätig. Du unterstützt selbstständige Frauen und betreust sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Für mich und die Hörerinnen wäre es sicherlich ganz interessant, wie du dazu gekommen bist.

Tanja: Total gerne. 2015 war ich in so einer Phase. Ich habe als Freelancerin gearbeitet und hatte Kunden, bei denen ich dachte: “Meine Güte, darauf habe ich keine Lust mehr.”
Ich konnte mich nicht mit meinen Kunden identifizieren. Die Arbeit hat mir null Spaß gemacht und ich habe geschaut, welche Möglichkeiten es gibt, damit ich zufriedener, glücklicher und erfüllter bin in meinem eigenen Leben. Da bin ich in den Online-Business Bereich gestolpert und fand es ziemlich cool, da ich eine freiheitsliebende Person bin. Ich reise total gerne, probiere gerne neue Sachen aus und bin auch gerne für mich. Bin gerne zu Hause und keine Person, die gerne ins Büro geht. Daher war das die optimale Lösung für mich, ich dachte “wie cool ist das denn? Ich kann von zuhause arbeiten und Geld verdienen.” Ich wusste damals noch nicht, mit wem ich arbeiten möchte. Es hat sich aber ziemlich schnell ergeben, dass ich Frauen geholfen habe bzw. natürlich immer noch helfe, ihr Business aufzubauen und mehr Umsatz zu machen. Mein Wissen hat sich natürlich auch in den letzten Jahren immer weiterentwickelt. Meine Zielgruppe hat sich weiter entwickelt, ich helfe nicht mehr beim Start in die Selbstständigkeit, sondern wenn du schon selbstständig bist, Umsatz machst, aber das Gefühl hast, es geht nicht mehr weiter. Oder wenn sich alles schwer anfühlt, mehr Leichtigkeit und Struktur reinzubringen. Auch das ganze Thema Team Aufbau gehört mittlerweile zu den Aufgabenbereichen, die ich mit abdecke. Es hat sich komplett weiterentwickelt.

Tanjas Business SHE>PRENEUR

Nadine: Du begleitest quasi deine Kundinnen auf ihrem Weg und machst das in Form von Masterminds. Also wirklich auch Gruppen Themen?

Tanja: Genau, ich habe aktuell drei Gruppen Programme und die stehen alle auf einem unterschiedlichen Level.
Das sind Business Starter, Fortgeschrittene und Frauen, die schon einen Jahresumsatz von 80 und 150 000 Euro haben. Aber alles in Bezug auf Online Business. Das bedeutet alle, die online sichtbar werden wollen und die online ihre Kunden gewinnen wollen, aber die teilweise auch offline erarbeiten, beispielsweise offline retreats anbieten oder als Speakerin arbeiten. Es ist ein bunter Mix, aber der Fokus liegt darauf, wirklich online sichtbar zu werden, sich online als Expertin zu positionieren, um Kunden zu gewinnen und um Aufträge zu generieren, egal ob online oder offline.

[00:04:04] Nadine: Wenn das jetzt verschiedene Gruppen in verschiedenen Stadien sind, sind das alles die gleichen Problematiken, die gleichen Pain Points oder ist das tatsächlich sehr unterschiedlich bei den Anfängern im Vergleich zu denen, die schon im flow sind?

Tanja: Das ist tatsächlich total unterschiedlich. Am Anfang geht es mehr um “Oh, ich hab Angst vor der Sichtbarkeit. Ich weiß nicht womit ich starten soll. Ich verzettel mich.” Dann geht es weiter mit “Oh, aber ich kann doch nicht immer nur eine Sache machen. Ich muss doch mal ein neues Angebot ausprobieren. Ich kann nicht so planen, das fühlt sich nicht gut für mich an.” Diese ganzen Themen tauchen dann irgendwann auf. Das Thema Langeweile. Dann geht’s viel um Struktur und irgendwann geht’s auch mehr um das Thema Team Aufbau. Was ist denn der nächste Schritt? Wie delegiere ich Aufgaben? Das ist von Level zu Level komplett unterschiedlich. Das sind diese Phasen, die natürlich auch ich in meinem Business durchlaufen habe und teilweise noch durchlaufe.

Nadine: Wenn ich richtig recherchiert habe, kommst du aus der Beratung. Das heißt, dieses Strategische, dieser Ansatz mit der Unternehmensberater Brille ranzugehen, ist eine perfekte Vorbereitung dafür. Ich habe bei manchen das Gefühl, sie bringen sich selbst kurz bei, was sie morgen lehren. Daher finde ich es sehr schön Gesprächspartner zu haben, bei denen ich das Gefühl habe, sie haben eine solide Basis. Das ist vielleicht auch die deutsche Denkweise. Ich finde es schön, man hat einen stabilen Aufbau unter sich, sodass ich auch andere in mein Haus holen kann – bildlich gesprochen. Das zeigt auch mehr Kompetenz, was ich sehr wichtig finde.

[00:06:10] Tanja: Ich glaube auch das hängt davon ab, wo man steht und was man gerade braucht. Für mich zum Beispiel ist es wichtig, nur das zu lehren, was ich selber schon erreicht habe.  Welche Hürden ich genommen habe, welche Probleme ich hatte und das dann auch an meine Kunden weiterzugeben. Gerade am Anfang ist es wichtig, dass wir eine gute Basis haben, damit unser Business nicht einfach umgehauen werden kann, weil irgendetwas nicht funktioniert oder weil wir versuchen, 10 000 Sachen zu machen und keine Strategie dahinter steckt, was ja oft am Anfang der Fall ist. Da postet man mal hier und da was, ohne Mehrwert, nur damit man Content liefert. Und am Ende liegt vieles am Mindset. Man steht sich selbst im Weg und da kommt ein guter Coach ins Spiel, der nicht unbedingt das erreicht haben muss, wo du fest hängst. Aber wenn es um das Thema Umsatz, Produkte skalieren und so weiter geht, ist es schon super wichtig nicht nur mit einem Coach zu arbeiten, der coachen kann, sondern auch der diesen strategischen Blick drauf hat, der dir sagen kann, was funktioniert und/oder warum etwas nicht funktioniert. Wenn du 10 000 Puzzleteile hast, die aber nicht zusammengehören, kommst du mit deinem Business nicht weit.

Nadine: Jetzt hast du auch schon gesagt, man verliert sich und hat hier ein Produkt, da eine Idee. Du bietest auch verschiedene Produkte an. Digitale Produkte von Workbooks über Kurse, Gruppen, Programme machst du auch eins zu eins?

Tanja: Ich habe im Sommer eins zu eins angeboten, aber eigentlich biete ich das nicht an. Im Sommer hatte ich Lust mal was Neues auszuprobieren und hab so ein paar Workshops ausprobiert, aber keine längerfristige Begleitung. Das mache ich in der Regel nicht mehr.

Gruppen-Programme

[00:08:37] Nadine: Was sind denn die besten Produkte daraus oder was würdest du sagen, macht am meisten Sinn?

Tanja: Ich habe drei Haupt Produkte. Das eine ist ein großes Gruppen Programm, da sind ungefähr 200 Mitglieder drin und es macht mittlerweile ungefähr die Hälfte von meinem Umsatz aus. Dann habe ich zwei kleinere Gruppen Programme, da sind einmal acht Leute und einmal 13 Leute mit dabei und das macht ungefähr die andere Hälfte, bzw. vierzig / vierzig  aus. Und dann hab ich noch andere Produkte, wie z.B. die Summit, ich glaube, darüber hattest du mich auch kennengelernt.

Kunden werben Kunden

Nadine: Ich habe das Bundle letztes Jahr gekauft und da bin ich an dir hängengeblieben.

Tanja: Wir verkaufen diese Summit Pakete, in denen du die ganzen Aufzeichnungen bekommst. Das ist nicht meine Hauptverdienst Quelle. Wir machen damit natürlich auch Umsatz, aber da geht es halt mehr darum, auch zu investieren, in Anzeigen zu investieren, mehr Leute zu erreichen. Und dann haben wir in diesem Jahr, jetzt gerade Ende August ein neues Produkt gelauncht, was ich zusammen mit meinen Kundinnen entwickelt habe. Das ist das she-preneure bundle, indem wir Online-Kurse verkaufen, von meinen Kunden, die wir gemeinsam entwickelt haben. Und das ist ein neues Produkt. Da kann ich noch nicht viel zu sagen. Aber auch hier geht es mehr darum, dass alle anderen mitverdienen, ich meine Kosten decke und mir genug Budget haben, um in Anzeigen zu investieren. Die Haupt Produkte sind definitiv meine guten Programme und alles andere spielt eine untergeordnete Rolle.

[00:10:46] Nadine: Aber das ist eine sehr schöne und spannende Strategie und auch ehrlich gesagt eine, wie ich sie noch nirgendwo so aktiv beobachtet habe. Ich sehe jetzt natürlich ganz stark, dass deine Kundinnen das Bundel natürlich bewerben, weil ihre Produkte mit dabei sind. Und ich glaube da an einen schönen Reichweiten Effekt, die Welt ist zwar groß, trotzdem stolpert man, wenn man mal in seiner Nische gelandet ist, über die gleichen Menschen. Immer wieder. Und ich würde sagen, in der Woche hab ich mindestens vier, fünf Frauen online gesehen, die für den Handel geworben haben, indem sie eben auch sind. Finde ich einen total smarten Ansatz und wie du sagst, sicherlich nicht der finanziell spannendste, aber eben für das Thema Reichweite sicher ein sehr spannender Ansatz.

Tanja: Total. Zum Einen für mich, aber zum Anderen vor allem für die anderen. Also für die Experten, die mit dabei sind. Viele von denen haben ihr allererstes Produkt entwickelt und bewerben das gerade. Und für die ist das natürlich auch mega aufregend und ein toller Startschuss in dieses Thema. “Jetzt hab ich hier Leute, die sich in meinen Kurs eingetragen haben. Wie cool ist das denn?” Und ich verfolge das selber alles in meiner Gruppe mit. Und es ist total schön zu sehen, was da passiert und wie es überhaupt ist, wenn man die erste Provisionszahlungen bekommt, das ist schon ziemlich cool und ich glaube, es ist mittlerweile gerade am Anfang sehr schwierig  Reichweite aufzubauen, sich zu positionieren und rauszugehen.

Dann hatten wir über das Thema gesprochen, Angst vor der Sichtbarkeit und wie mach ich es richtig? Wenn du das als Gruppe machst, gibt es ein Gemeinschaftsgefühl. Es waren so viele Frauen mit dabei, die zwischendurch gedacht haben “okay, ich gebe jetzt auf und ich schaff das alles nicht.” Und wir haben sie mitgezogen. Sicherlich ist die eine oder andere leider nicht mitgekommen, da wir nichts von gemerkt haben, aber einige haben gesagt “So Leute, Hilfe, ich weiß nicht weiter, was ist denn jetzt der nächste Schritt?” Oder “ich glaube, ich schaffe das alles nicht!” Und wir haben versucht, so viele Frauen wie möglich mitzuziehen. Und alleine pusht man sich nicht so doll. Diese Investition in Unterstützung, die lohnt sich, weil man diesen Schweinehund viel schneller überwinden kann, als wenn man es versucht alleine zu machen.

[00:13:43] Nadine: Alleine, das ist ein ganz schönes Stichwort. Du bist aus Berlin und normalerweise in Berlin. Ich verfolge viel die Startup-Szene und stelle mir vor, dass dort ein Start up Geist herrscht. Fühlst du das mit? Bist du da auch involviert? Gibt’s da Netzwerke, in denen du bist? Oder bist du doch eher für dich alleine?

Tanja: Ich bin super gerne alleine und arbeite für mich alleine hin. Aber das Thema Netzwerken ist super wichtig und ich gehe auf Veranstaltungen in Berlin. Es gibt so viele Veranstaltungen in Berlin und das ist eben auch eine ganz tolle Möglichkeit, um sich mit anderen zu vernetzen und Kooperationspartner zu finden, um vielleicht auch ein Interview zu bekommen, um mehr Reichweite zu erhalten, um neue Inspirationen zu bekommen. Dadurch, dass man sich mit anderen austauscht, ist Berlin richtig cool. Ich bin vor kurzem nach Ventura umgezogen und hier hab ich natürlich genau das Gegenteil und denke “Hey, das ist ja nicht so inspirierend.”

Nadine: Das ist auch das Stichwort, sich inspirieren lassen. Netzwerktreffen, das ist ein riesen Faktor. Mir kommen da immer 100 000 Ideen, da muss man sich selbst bremsen. Aber wenn nur eine dabei ist, die mich in irgendeiner Weise weiterbringt oder eben eine schöne Kooperation dadurch zustande kommt, lohnt sich das allemal.

Online ist nicht Alles!

[00:15:14] Tanja: Auf jeden Fall. Also ich kann das jedem nur empfehlen, sich nicht nur offline, sondern auch online mit anderen zu verbinden. Für viele ist es vielleicht auch nicht möglich, zu reisen oder sich Zeit frei zu nehmen, um irgendwo hinzufahren. Wer nicht offline netzwerken kann, sollte definitiv online netzwerken. Also versuche es nicht alleine. Es ist viel zu anstrengend und zu isolierend. Und wir können viel mehr erreichen, wenn wir uns mit anderen verbinden. Wenn wir sehen, das sehe ich z.B. bei meinen Kunden auch ganz oft, dass sie durch die anderen inspiriert werden, jetzt zum Beispiel mit dem Bundle. Wir hatten die ersten €30000 netto Umsatz gemacht am zweiten Tag und das eröffnet natürlich eine ganz andere Dimension. Das ist halt super cool und das hat man nicht, wenn man alleine ist. Man denkt sich klein. Vom eigenen Umfeld wird es oft sehr einfach gelebt. Und deswegen ist es so wichtig, sich in eine andere Welt zu begeben. Und es geht nicht darum sich zu bereichern, sondern wie können alle davon profitieren, wie kann man davon ein Teil abgeben und spenden? Wie können wir die Welt voranbringen, mit unserem Business, wenn wir mehr Geld verdienen und uns nicht bei 1 000 Euro oder 3000 Euro Monat limitieren. Und es muss nicht unbedingt mehr Arbeit bedeuten, sondern es kann auch viel mehr Freude bedeuten, weil wir viel mehr Menschen helfen können, uns trauen größer zu denken und mehr zu machen.

Nadine: Dieses Miteinander bereichert, auch ungemein. Ich hatte auch witzigerweise das Feedback von einer deiner Teilnehmerinnen, mit Miriam Zottel ein Interview, dabei bin ich über die Wirtschaftsjunioren gestolpert. Also auch ein Netzwerk, oder über den Ladys Circle. Und Sie sagte auch “Allein dieses Miteinander zieht dich einfach immer wieder raus und hoch und mit und beflügelt, wenn es eben nicht mehr geht.” Ich denke damit steht und fällt so viel und dann später im Alltag, wenn man so wie wir jetzt eigentlich alleine arbeitet, auch immer zu gucken mit wem kann ich vielleicht. Dieses Ellenbogen Ding ist nicht mehr vorhanden in dieser Welt in der ich jetzt bin. Unter dem Strich hatte ich in letzter Zeit oft Podcast Interviews, wie mit dir, auch mit anderen, die eigentlich in meiner früheren Welt in Konkurrenz stehen würden. Bisher empfinde ich es zumindest bei keiner, die ich angefragt habe so, dass sie es nicht machen würde, weil sie Sorge hätte, man hat vielleicht einen gleichen Online-Kurs. Wir verkaufen über unsere Art und man fühlt sich mit jemand angezogen oder eben auch nicht. Und dann hat jemand vielleicht gerne eine Person, die stiller wirkt oder eben ein bisschen lauter oder mehr ganz hart sagt, wie es geht oder auch nicht. Das finde ich eine ganz tolle Entwicklung.

Zeige Gesicht!

[00:19:03] Tanja: Ich bin auch begeistert und das ist auch eine Sache, die in meiner Community gelebt wird. Dieses unterstützende und kein Ellenbogen, keine Neider, keine Konkurrenz, sondern wirklich Austausch, Unterstützung, Aufträge abgeben, wenn jemand das selber nicht machen kann und dazu wurde ich auch schon oft angeschrieben von meinen Kunden, die gesagt haben, “das ist eine ganz andere Welt. Das kenne ich so gar nicht.” Oder andere, die auch geschrieben haben “Also ja, ich weiß nicht, es sind ja nur Frauen. Da gibt es bestimmt viel Zickenkrieg.” Gar nicht! Und das ist total schön, weil ich glaube diese Onlinewelt ist eine ganz andere Welt. Hier geht es darum zu unterstützen und mit der eigenen Persönlichkeit zu überzeugen. Je mehr du mit deiner eigenen Persönlichkeit rausgehst, desto mehr ziehst du auch die Menschen an, die zu dir passen und ich tausche mich auch mit meinen “Wettbewerberinnen” aus, die exakt das Gleiche anbieten wie ich und das ist überhaupt kein Problem. Wir tauschen uns auch über Dinge aus, die in unserem Business funktionieren und nicht funktionieren und unterstützen uns da gegenseitig und da hat keiner von uns irgendwie das Gefühl, “der kann ich das jetzt nicht erzählen.” Und das macht es auch aus. Es sind so tolle Freundschaften daraus entstanden und ich weiß genau, die Leute, die  nicht zu mir passen, die würden auch nicht zu mir kommen und die gehen dann vielleicht eher zu ihr. Aber vielleicht ist sie auch nicht die Richtige. Und dann gehen sie vielleicht zu jemand anderen. Und das ist auch vollkommen okay. Ich möchte mit den Leuten arbeiten, die sich von mir und meiner Art angezogen fühlen.

Nadine: Manchmal wird man ganz hart anschrieben und man denkt sich, wie unsympathisch! Das löst sich dann aber auch ganz schnell auf. Da muss man dann einfach die Stärke haben zu sagen “Du, ich glaube das passt jetzt nicht.” Denn am Ende werden die auch nicht in einem Programm landen oder mein Kurs kaufen, oder? Ich denke, das ist ein Weg, den man lernen muss, solche Dinge charmant von sich wegzuschieben und sich nicht persönlich getroffen zu fühlen, wenn dann die andere zickig wird. Das ist ein Lernprozess und man sollte wirklich öfter auf sein Bauchgefühl hören. In deinem Programm sind sicherlich auch viele Mütter, die nicht mehr in einen eight to five Job zurück wollen und sagen ich möchte mir ein Online-Business aufbauen. Gibt’s denn da in deinen Augen bestimmte Branchen oder Bereiche, die sich da vielleicht auch herauskristallisieren, wo sich die Mütter oft tümmeln oder wiederfinden oder du auch sagen könntest da passen sie auch tatsächlich gut hin?

Tanja: Es ist total unterschiedlich. Viele starten als virtuelle Assistentin sind aber auch ganz viele Coaches mit dabei, die sich dann eben auf einen bestimmten Bereich spezialisiert haben. Wozu ich auch immer ermutigen möchte, sei nicht einfach nur Coach, sondern Experte im Bereich, löse ein ganz konkretes Problem. Versuch nicht alles abzudecken, auch wenn du das kannst.

Nadine: Man braucht auch noch Luft für die Folge Kurse, ist ja völlig ok.

[00:23:45] Tanja: Wir machen unser Leben schwer, wenn wir nur Coaches sind. Ein ganz konkretes Problem lösen und je konkreter, desto besser. Aber ich habe z.B. auch im Sportbereich Frauen mit dabei, z.B. eine Trainerin, die eher offline arbeiten, aber die den Online-Bereich nutzen möchten, um einfach mehr Bekanntheit zu bekommen und auch zu gucken, wie kann ich mir denn den ersten Online Kurs und ein erstes Online Produkt aufbauen, das mich unterstützt, damit ich zum Beispiel nicht immer wieder das gleiche erzähle? Auch im eins zu eins erzählen wir oft immer das Gleiche. Und manche Sachen kann man aufnehmen. Im Gespräch klären wir dann deine Fragen. Wir gucken uns deine Ergebnisse an und dann geht es weiter. Das bringt den Kunden viel mehr. Ich würde nicht sagen, es sind bestimmte Bereiche, aber viele starten tatsächlich als virtuelle Assistentin. Ich glaube, das eignet sich auch supergut, weil man eine ganz große Vielfalt an Aufgaben mit abdecken kann und man dann aber merkt, dass es einen bestimmten Bereich gibt, der einen sehr viel mehr interessiert.

Hier der Hinweis, starte einfach egal mit was. Wichtiger ist mit Menschen in Kontakt zu kommen und dann zu schauen, inwieweit können wir denen helfen? Was brauchen die denn von uns? Und nicht zu warten, bis der perfekte Moment kommt, denn der kommt nicht.

Nadine: Das kann ich unterschreiben. Wenn dann der erste Schritt getan ist, weil man gesagt hat ich möchte mich jetzt selbstständig machen, mit welchem Thema auch immer. Was würdest du denn sagen, was die ersten drei Schritte sind, um sich nicht gleich völlig im Dschungel der Aufgaben zu verlieren, sondern die Sinn machen, weil die immer anfallen?

Tanja: Ich würde definitiv als allererstes sagen rausgehen und gucken, mit wem kann ich arbeiten? Noch bevor ich eine Website habe, noch bevor ich irgendwelche Social Media Kanäle bespiele. Guck lieber auf fremden Plattformen oder in deinem eigenen Netzwerk, in deinem eigenen Bekanntenkreis, wer da ist und deine Hilfe benötigen könnte. Und frag sonst auch in deinem Bekanntenkreis Freundeskreis, ob sie nicht jemanden kennen, der jemanden kennt, den du unterstützen könntest. Das ist aus meiner Sicht erst mal der allererste Schritt und dann, wenn du das geschafft hast, wenn du eine Person gefunden hast, dann mit dieser Person zu sprechen. Mit dieser Person zu arbeiten und eben ein Produkt zu entwickeln, das auch wirklich gebraucht wird, weil es ganz oft passiert, dass Produkte entwickelt werden, die keiner will.

[00:26:42] Nadine: Am Kunden vorbei arbeiten, das können auch die Konzerne. Ich bin ein klassisches Konzern Kind und da ist es auch nicht anders, man merkt wie jeder von seinem Produkt schwärmt und es ist so toll und dann sagst du, “habt ihr mal den Kunden gefragt, ist es wirklich so toll?”

Tanja: Der Inhalt kann auch total gut sein. Aber wenn die Verpackung und die Ansprache nicht die Richtige ist, dann kriegst du den Kunden eben nicht. Wir lernen nur, wenn wir mit den Kunden sprechen und erfahren, was sie wirklich brauchen und wohin wir sie bringen sollen. Was ist ihr Wunsch? Was ist ihr Ziel und wie kannst du diese Person von A nach B bringen? Du kannst zum Beispiel ein Hundetraining anbieten. Das kaufen sie vielleicht nicht, weil ihr Problem ist, dass der Hund bellt, wenn es klingelt. Und wenn das Modul von einem Kurs ist, kaufen die Leute das nicht, wenn es heißt “Hier ist mein Hundetraining, erziehe deinen Hund” oder sowas. Je konkreter, desto besser. Und deswegen ist das aus meiner Sicht der Anfang. Wenn ich einmal so ein Coaching oder was auch immer es ist durchgeführt habe und ganz viele Learnings habe, dann kann ich daraus ein erstes Produkt entwickeln. Dann kann ich das testen. Ich brauch dazu noch keine Webseite. Ich kann einfach ein Umfrage Formular, wie z.B. in Google Form nutzen und daran Angebote drauf schreiben und gucken, ob die Leute darauf anspringen, ob überhaupt jemand reagiert. Und wenn das funktioniert, dann darf es weitergehen. Dann kann man auch in eine Website investieren. Aber vorher würde ich die Zeit lieber in die Recherche stecken oder sich von Anfang an Unterstützung holen, damit man in dem Bereich vorankommt. Und auch da merke ich, viele sagen “Nein, da baue ich lieber eine Website. Ich mache lieber Social Media, darüber finde ich ja die Kunden.” Das funktioniert so leider nicht so ganz. Wenn du schon eine gute Reichweite hast, weil du vielleicht schon vorher auf Social Media unterwegs warst, dann kann sowas funktionieren.

Wichtig ist egal an welchem Punkt du stehst, wenn du noch gar kein Produkt hast, geh in den Austausch mit Leuten, die Interesse an einem Produkt hätten und frag sie genau, wie das aussehen soll, welchen Aufhänger sie brauchen, damit das Produkt gekauft wird. Und dann ganz viel testen, optimieren und dann raus damit. Die Hauptseite und Co. kann dann folgen.

[00:29:34] Nadine: Ich höre immer, dass das häufigste Problem die Sichtbarkeit ist. Die Leute sagen, “Mensch, ich habe viele tolle Ideen und ich habe vielleicht schon ein Produkt. Aber wie zum Geier kriege ich das raus? Wie kriegt das in die Welt geschrieben?” Was würdest du denn sagen, was wirklich das Top Medium wäre? Gibt es das? Oder würdest du sagen es ist auch ein bisschen abhängig vom Produkt, vom Inhalt und wo sich meine Zielgruppe befindet?

Tanja: Ich würde auch da sagen, du brauchst eine Community. Viele setzen das Thema Community Aufbau mit einer Facebook-Gruppe gleich. Das ist nicht das gleiche. Du brauchst Leute, die dein Produkt kaufen, die deiner Vision folgen, die ein ähnliches Ziel verfolgen, wie du es verfolgst, damit es dir dann am Ende leichter fällt, dieses Produkt zu verkaufen bzw. die Probleme zu lösen, von den Menschen die dir folgen. Und wenn wir niemanden haben der uns folgt, an wen wollen wir dann unser Produkt verkaufen lassen?

Die Community

Nadine: Würdest du sagen, du hattest einen klar identifizierbaren Kanal, der dir wirklich viel Sichtbarkeit gebracht hat? Oder auch mit Anzeigen?

[00:31:01] Tanja: Als ich gestartet bin, habe ich tatsächlich mit einer Facebook-Gruppe gestartet und der Hintergrund der Idee war, nicht etwas zu verkaufen, sondern ein Netzwerk aufzubauen, indem sich die Frauen gegenseitig unterstützen und austauschen können. In der sich Gleichgesinnte finden, die sich Fragen rund um die Selbstständigkeit stellen können. Das war der Start von She-Preneur und da haben sich auch richtig schnell Frauen angefangen auszutauschen. Ich habe mitgehört und geguckt was brauchen die denn. Und ich fand das Konzept von Mitgliederbereichen super spannend, wo Frauen mir  Fragen stellen können und ich sie mehr vernetze. Und aus dieser Gruppe heraus ist dann am Ende meine Mitgliedschaft entstanden. Daraus ist mein allererstes digitales Produkt entstanden. Das hab ich nicht einfach verkauft, sondern ich habe Beziehungen zu diesen Menschen in der Gruppe aufgebaut. Ich habe sie offline getroffen, ich habe sie eingeladen mit mir zu telefonieren und darüber habe ich schlussendlich meine Produkte verkauft. Nur weil ich diese Menschen schon kannte.

Nadine: Du warst auch sehr aktiv in deiner Gruppe. Hast du sie moderiert oder in einem Turnus bespielt? Hattest du eine Redaktionsarbeit für dich?

Tanja: Das ist ein Unterschied, den ich heute ganz oft sehe, weil Gruppen viel strategischer genutzt werden. Und dann fehlt irgendwann die Leidenschaft. Mein absolutes Ziel war diese Leute miteinander zu vernetzen, ihnen zu helfen und ihre Fragen zu beantworten. Ich glaube, dass man das merkt, wenn da eine andere Absicht dahinter ist. Das heißt, all das, was ich getan habe, war wirklich sehr echt. Deswegen haben die Frauen auch gesprochen und waren offen. Dann habe auch ich mich nach und nach gezeigt und kleine Aufgaben gestellt, was sie brauchen und welche Fehler ich so gesehen habe. Ich habe Ihnen geholfen, ohne dass ich einen strikten Redaktionsplan hatte. Und dann habe ich sie zu Gesprächen eingeladen, in denen ich erzählte einen Mitgliederbereich aufzubauen, indem wir bestimmte Themen besprechen und Ihnen helfe. Und es hat damals 19 Euro im Monat gekostet.

[00:33:54] Nadine: Ich stell mir gerade die Frage, wie du die Gruppe am Anfang auf die Straße bekommen hast. Wie hast du sie dazu gebracht, dass sie miteinander kommunizieren und merken “Ach Mensch, die eine kann Grafiken und ich kann die Website und vielleicht passen wir zueinander. Wir tauschen uns mal hier aus.” Ich glaube daran scheitern ja die meisten.

Tanja: Ich glaube damals war es auch noch leichter als ich die vor vier jahren gegründet habe, weil es nicht so viele Gruppen zum Thema Frauen und Selbstständigkeit gab. Ich war mit die erste Gruppe, die es in dem Bereich gab und da gab es einen starken Bedarf sich auszutauschen und viele waren total happy, endlich eine Gruppe, endlich gründlich austauschen und ich habe auch offline Treffen in Berlin durchgeführt. Dadurch entstanden diese Kontakte untereinander und sie haben sich eher und viel offener ausgetauscht, weil sie die anderen kannten. Und das war der Start und Leute sind über unterschiedliche Wege in meine Gruppe gekommen. Ich hab keine kostenpflichtige Werbung geschaltet. Das hatte nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Leute sind über Blog-Artikel, über Gastartikel, über meine Webseite gekommen und fühlten sich in meiner Gruppe wohl und fanden die Themen auch gut, um die ich mich gekümmert habe. Das Thema war sehr, sehr spitz und das würde ich jedem im Moment auch empfehlen, da sehr spitz reinzugehen. Denn wenn die Leute ein Problem haben und eine Lösung suchen, dann stellen sie auch sehr konkrete Fragen. Und wenn wir uns zu breit aufstellen, dann gibt es viel zu viele Möglichkeiten, oder es traut sich keiner um Hilfe zu fragen.

Nadine: Das beantwortet meine Frage auch ganz stark. Dieser Gedanke nur weil wir jetzt alle online sind, das offline leben so weit von sich wegzuschieben ist nicht der richtige. Ich glaub da auch absolut dran, an diese Netzwerk Welt.

[00:36:36] Tanja: Im eins zu eins kann man viel schneller Vertrauen aufbauen. Von daher einfach im Hinterkopf zu haben, ich möchte Menschen helfen, egal ob sie mich bezahlen oder nicht. Und das ist das Allerwichtigste, was in deinem Business am Ende zählt. Natürlich geht es darum, Geld zu verdienen. Aber wenn du hilfst und einen Beitrag leistest, dann kommt das auch zu dir zurück. Dann werden Leute für das, was du tust auch bezahlen. Nicht alle. Aber das ist okay. Auch so hinterlässt du etwas.  Vielleicht hast du einen Impuls gegeben, der der Person weitergeholfen hat. Ich gehe z.B. in jedes Erstgespräch rein und sage, ich gebe mein Bestes und versuche der Person weiter zu helfen. Aber ich habe nie im Hinterkopf, ich muss diese Kunden unbedingt konvertieren.

Nadine: Da glaube ich auch fest dran, das ist für mich ein wirklich sehr schöner, abschließender Satz, sich selbst zu vertrauen und dem, was man kann und auch auf seine eigene Art zu bauen und nicht auf diese harte Verkaufs Nummer. Wenn man sagt, “ich habe für mich einen größeren Sinn und ich möchte nicht nur das Business fürs Geld, ich möchte auch das Business, weil ich mich darin wohl fühle,” diese Menschen möchte ich anziehen. Und genauso machst du es und das ist in meinen Augen auch der schönere, menschlichere Weg. Und wer sich damit identifizieren kann, der darf gerne bei uns reinhören und gucken. Und wenn nicht ist es auch völlig in Ordnung. Ich glaube, damit muss man einfach klarkommen.

[00:39:01] Tanja: Das ist auch in Ordnung. Du willst nicht allen helfen, du willst auch nicht alle auf deine Website bekommen. Was hast du davon, wenn der Typ, der einen Ferrari möchte, zu dir kommt und du kannst ihm nicht helfen? Da sind dann beide unglücklich.

Nadine: Tanja, ich danke dir für deine Zeit.

Tanja: Ich danke Dir, liebe Nadine, für die Einladung.

Links:
Interviewgast Tanja: https://she-preneur.de/

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