Wie klappt Homeschooling, Annika Meier?

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Eben noch Präsenzunterricht vor Ort und nun schon wieder Homeschooling. Der erste Lockdown mit den Schulschließungen ist schon knapp ein Jahr her, verbessert hat sich aber wenig. Von Eltern wird erwartet, dass sie Kinderbetreuung, Homeschooling und ihren eigenen Job irgendwie unter einen Hut bekommen. Besonders von den jüngeren Schüler:innen wird eine nie dagewesene Eigenständigkeit erwartet.
Was Mamas tun können, um den Kids beim selbstständigen Lernen zu helfen, das verrät uns heute Annika in ihrem Gastbeitrag. 

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Was sind die klassischen Homeschooling-Probleme?

Der Motivationsmuffel steht wohl ab der 7. Klasse an oberster Stelle. Ganz nach dem Motto “Daheim sein heißt Ferien”. Ein ständiges Hinterhersein und “Mach doch mal” kann auf Dauer ganz schön auf die Beziehung gehen.
Bei den Kleineren ist hingegen oft das Problem, dass sie gar nicht wissen, wo sie denn nun anfangen sollen. Von der Schule kommen oft nur Aufgabenberge für eine Woche ohne konkrete Tages- oder Stundenpläne.

Warum funktioniert Homeschooling bei vielen nicht?

Ein großes Thema ist, dass gewohnte Routinen nicht mehr funktionieren. Morgens zur Schule gehen, Mittags nach Hause kommen und Hausaufgaben machen ist ein Tagesablauf, den die Kids und die Eltern kennen. Danach ist Zeit für Hobbys und Freunde. Beim Homeschooling vermischen sich diese Bereiche. Das kennen hier vermutlich auch viele Business Mamas vom Homeoffice: Zu Hause richtig zu arbeiten ist zu Beginn gar nicht so einfach.

Was können Mamas tun, um es leichter zu haben?

Routinen schaffen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und Routinen und Rituale sind besonders für Kinder in solchen Situationen hilfreich.
Bei den Kleinen können das 5 Hampelmänner vor Aufgabenbeginn sein. Dann wird der Timer auf 5 Minuten gestellt und die Mama spricht mit dem Kind nochmal kurz durch, was nun nacheinander zu tun ist. Dadurch schlägt man 3 Fliegen mit einer Klappe. Das Kind ist nicht mehr so hibbelig, es weiß wo es anfangen muss und das Abhaken von Aufgaben gibt einfach ein tolles Gefühl!
Bei den Älteren kann man zum Beispiel mit der Pomodoro-Technik arbeiten. Dafür gibt es auch diverse Apps wie zum Beispiel Pomodoro-Moon. Die Zeiten können ganz individuell eingestellt werden und man wird mit Tomaten und Raketenstarts belohnt. Gamification kommt bei allen Altersklassen gut an.
Und wenn es immer noch zu viel ist oder die gegebenen Materialien zum selbstständigen Lernen nicht reichen, sollte das den Lehrer:innen zurückgemeldet werden. Zu 100% einschätzen, was beim selbstständigen Lernen machbar ist, können Lehrer:innen nämlich auch nicht immer.

Hast Du noch mehr Tipps?

Bewegung ins Lernen bringen und Lernen in den Alltag integrieren. Vokabeln können Kinder wunderbar mit der Loci-Methode lernen. Heißt, man hängt zum Beispiel 3 gemeine Vokabeln oder die binomischen Formeln an den Badspiegel und das Kind schaut sich diese beim Zähneputzen an. Das sind jeden Tag 6 Minuten Lernen ohne am Schreibtisch zu sitzen. Der große Bonus: Das Gehirn verknüpft das Gelernte lokal und es wird so besser behalten. Das kann man auch mit Gamification kombinieren. Vielleicht öffnet sich die Süßigkeiten-Schublade nur, wenn das Kind das passende Binom parat hat. Weiß es das Binom nicht, muss es erst wieder zum entsprechenden Ort in der Wohnung flitzen. Wichtig dabei: Nichts im Kinderzimmer aufhängen und schon gar nicht über dem Bett. Im Bett sollen die Kinder schlafen.

Warum ist Lernen Zuhause so anders?

Die Intensität des Lernens wird oft unterschätzt. Mal angenommen, ein Kind lernt wirklich die von der Schule vorgegebenen Stunden brav durch. Das ist wesentlich intensiver und für das Gehirn anstrengender, als dem altbekannten Frontalunterricht zu folgen. Im Unterricht schweifen die Gedanken doch mal ab oder man schaut aus dem Fenster. Der Lernstoff wird vom Lehrer erklärt und man muss sich besonders die neuen Themen nicht selbst erarbeiten. Die Kinder kennen es, Hausaufgaben zu Hause zu machen. Aber die Hausaufgaben sind eine Wiederholung des bereits erklärten Lernstoffs.

Für wen ist es schwieriger: Eltern oder Kids?

Klar, den Kindern fehlt ihr alter Schulalltag, die Freunde und ihre Hobbys. Meine Schüler:innen wünschen sich nichts mehr, als dass alles wieder “normal” ist – egal welche Altersklasse.
Die Eltern werden auf eine harte Probe gestellt und springen zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling, Job und eventuellen Existenzängsten wirklich im Dreieck!
Schwierig ist es aber auch besonders für die Eltern-Kind-Beziehung.
Die Situation ist wirklich nicht einfach und da gibt es eben auch schnell Streit – besonders gerne über Schulthemen. Daher ist mein Fokus im Mama-Coaching mehr Mama-Kind-Zeit und weniger Schul-Streit.
Ein kleiner Tipp noch dazu: Beim Durchschauen der Schulaufgaben beißen sich Eltern oft an den Fehlern fest – Defizitorientierung nennt das die Pädagogik. Ein Vater eines 9. Klässlers war einmal ganz erstaunt, dass ich zuerst auf die Stärken und das Richtige eingehe. Das muss kein aufgesetztes “Das hast Du aber toll gemacht” sein. Nochmal nachfragen und sich das Richtige vom Kind nochmal erklären lassen kann manchmal Wunder bewirken. Gut eingesetzt und nicht erzwungen, kann das für Dein Kind ein toller Erfolg sein und zudem festigt sich das Gelernte noch einmal. Eine Aufgabe richtig lösen und es jemandem verständlich erklären können, sind nämlich zwei verschiedene Paar Schuhe.

Gibt´s auch Erfolgs-Storys?

Klar! Einer meiner Französischschüler hat sich so ins Homeschooling reingefuchst, dass er inzwischen super damit klar kommt. Er ist jetzt in der 8. Klasse und lernt selbstständig zu Hause besser als in der Schule. Natürlich fehlen auch ihm die sozialen Kontakte und er weiß, dass das Lernen zu Hause nicht für jeden etwas ist. Seine kleine Schwester hält die Familie wohl auch ordentlich auf Trab. Er ist dafür, dass Schule flexibler wird und Hybridunterricht auch nach Corona möglich ist. Schüler:innen sollten wählen dürfen, ob sie – wenigstens zum Teil – zu Hause lernen oder in der Schule.

Wie stehst du zur aktuellen Homeschooling Situation?

Wie man auch am Montag zum Schulstart wieder gesehen hat, nein! Digitalisierung ist an den meisten Schulen weiterhin ein Fremdwort und mir stinkt es, dass es schlussendlich die Familien ausbaden müssen. Was Eltern mir berichten, da rollen sich mir die Fußnägel hoch. Online-Unterricht gibt es – aus DSGVO-Gründen – bei den meisten sowieso nicht. Datenschutz ist wichtig, ja. Aber es kann doch nicht sein, dass unsere komplette Bildung seit einem Jahr den Bach runtergeht.

Ich habe angefangen diverse Berichte von Eltern zu sammeln und da sind die verrücktesten Geschichten dabei. Ein Beispiel, was ich bei LinkedIn gelesen habe:
Eine Grundschule hat Freitags 30 Minuten geöffnet, damit alle Kinder ihre erledigten Aufgaben abgeben können. Diese sollen bitte in einem Jutebeutel mit Namen des Kindes verpackt sein. Montags gibt es dann nochmal ein Zeitfenster von 60 Minuten um die Korrektur abzuholen. Da frage ich mich, warum die Kinder zu Hause bleiben sollen, wenn sich dann doch die komplette Schule innerhalb einer halben Stunde trifft. 

Um aber doch noch etwas Positives dazu zu sagen: Es gibt auch einige engagierte Lehrer:innen, vor denen ich den Hut ziehe. Da wird sich mit vernünftiger Technik für regelmäßigen Online-Unterricht auseinandergesetzt, YouTube-Videos gedreht und vielleicht auch einfach mal ganz simpel bei den Schüler:innen zu Hause angerufen.

Meine Vision ist es, Lernen zu verändern. Da ich selbst seit bald 5 Jahren Online-Unterricht gebe, gehört da natürlich auch Digitalisierung dazu. Ich finde toll, dass aktuell so viel über Schule diskutiert wird und auch Eltern aufstehen und ihre Meinung sagen. Nur so kann sich Lernen verändern.

Wie kann ich mit Dir arbeiten?

Selbstständiges Lernen mit Lernfreude ist bei mir ein großes Thema. Da ich aber gerne eine ganzheitliche Sicht auf die Kids habe, spielt da natürlich auch die Familie mit rein. Daher möchte ich auch euch als Mamas mit einbeziehen und euch zeigen, wie ihr eurem Kind zu mehr Selbstständigkeit verhelft und die Schulzeit mit Struktur und Freude gemeinsam meistert. Dafür gibt es ein Gratis-Mama-Seminar.

Und wer gleich richtig starten möchte, kann sich zum Mini-Mama-Coaching oder zum Durchstarten-Coaching anmelden.

 

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