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Ich (Nadine) bin seit Jahren bekennende Grazia Leserin. Von meinen Paybackpunkten gönne ich mir Jahr für Jahr ein neues Abo. 

Vor einigen Wochen blieb ich an einem Artikel hängen. Dem von Johanna Fröhlich Zapata über das Thema Vereinbarkeit.
Nur diesmal ist sie einfach schon wahr! Unser großer Wunsch ist in Johannas erfrischendem Artikel schlicht und einfach bereits Realität.

Diese positive Sicht der Dinge hat mich so sehr begeistert, dass ich Johanna um einen Gastartikel bat.

Lasst uns als gemeinsam in ihre wunderbare Utopie von mehr Vereinbarkeit eintauchen!

Die Vereinbarkeits Utopie

Nach so vielen Monaten Pandemie, schwelge ich in einer Utopie: Eine Welt, in der Männer sich genauso um Haushalt und Kinder kümmern wie Frauen! Wäre nicht nur entlastend für die Paarbeziehung, sondern würde gleich eine Menge Zeit für Deine Projekte schaffen!

Stell‘ dir vor, du stehst eines sonntagmorgens auf. Du bist ausgeschlafen, so wie an jedem zweiten Morgen deines Lebens.

Es duftet nach frischem Kaffee. Du schaust auf deinem Weg in die Küche ins Kinderzimmer und drückst deinem Mann einen Kuss auf die Stirn.

Der sortiert gerade die Wäsche des 2-Jährigen aus und wirft dir einen komplizenhaften Blick zu. Dann schreibt er konzentriert an seiner Einkaufsliste für neue Kinderkleidung weiter.

Der 2-Jährige sitzt daneben und spielt einfühlsam mit seinen Puppen. Nach den 7 Monaten Elternzeit, die dein Mann nach der Geburt abwechselnd mit dir genommen hat, erarbeitete er sich ganz selbstverständlich die Kompetenzen eines verantwortungsbewussten Vaters.
Politisch wurde längst dafür gesorgt, dass man sich die Elternzeit- Monate nicht untereinander aufteilen kann. “Vätermonate” ist seither ein verpönter Begriff.

Du gehst in die Küche und füllst dir den heißen Kaffee ein. Im Radio wird die Reform der Vollzeitwoche von 40 auf 30 Stunden besprochen. Du drehst leiser, denn du kannst dich gut an die Zeit erinnern, zu der du noch versucht hast, alles unter einen Hut zu bekommen.
Du bist damals knapp an einem Burnout vorbeigeschrammt und musstest einige Wochen zur Kur.

Seitdem die Bedeutung der Fürsorge-Arbeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, hat über die Hälfte der Kurkliniken schließen müssen, weil kein Bedarf mehr besteht.

Du schlägst lieber die Wochenzeitung auf und scannen die Schlagzeilen:

“Häusliche Gewalt um 80% zurückgegangen”, “Trennungsrate sinkt weiter”, “Gender Pay Gap bei 50%” und entscheidest dich für den Erfahrungsbericht eines Hospizleiters, der darüber berichtet, dass Männer auf ihrem Sterbebett nicht mehr darüber klagen, zu wenig Zeit mit ihren Familien verbracht zu haben.

Die Realität sieht anders aus!

Der sogenannte Care-Gap, also die unfaire Verteilung der Fürsorge Arbeit zwischen den Geschlechtern, ist die Ursache aller anderen Gender Gaps.

  • Aus diesem Grund werden Frauen seltener befördert,
  • bekommen schlechteres Gehalt für gleiche Arbeit und
  • haben es nach Babyjahr und Teilzeit viel schwerer, eine Karriere hinzulegen, die sie, auch im Alter, finanziell absichert.

Die Feminisierung von Altersarmut steigt. Und damit die Coronakrise diesen Punkt nicht weiter verschärft, ist es an der Zeit für einen Perpektivwechsel: Zeit ist die neue Währung.

Und wenn Frauen ihre Zeit weiterhin unhinterfragt in unbezahlte Fürsorge-Arbeit stecken, dann steht langfristig nicht nur ihre finanzielle Unabhängigkeit, sondern bei steigender Doppel- und Dreifachbelastung in Lockdown-Situationen, auch die mentale Gesundheit auf dem Spiel.

Das muss sich ändern! Wir haben als Gesellschaft und als Familie jetzt die Chance, den Wert der Fürsorge ein für alle Mal anzuerkennen.

Klingt technisch, ist aber sexy, denn entspannte Paare haben nicht nur eine höhere Lebenserwartung, sondern auch besseren Sex.

Ich schwelge lieber in meiner Utopie weiter und berechne kurz, um wie viele Jahre die Lebenserwartung von Männern steigen würde, weil das Mandat des Vollversorgers von ihren Schultern fällt: 7 Jahre.


About Johanna

Johanna Fröhlich Zapata ist HP Psych, Medizinanthropologin und Gestalttherapeutin.

Sie coacht Frauen und Paare in einem Jahresprogramm “ohne Trennung zur gleichberechtigten Partnerschaft”.

Sie schärft mit der “CareRechner”-App außerdem das Bewusstsein für den Geldwert der unbezahlten Fürsorge-Arbeit.

Du möchtest mehr über Johanna erfahren? Dann schau mal hier vorbei.

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