Warum haben Mamas weniger Lust, Miriam Mottl?

Miriam Mottl bei MAMA BUSINESS zum Thema sexuelle Unlust bei Mamas
KEINE LUST ZU LESEN? BEITRAG ANHÖREN:

Uhhhh. Ein Buzzword. SEX. Nunja. Sagen wir mal als Mama hängt die Lust-Latte dann doch nicht mehr allzu hoch. Kleines Wortspiel. Sorry. Nun aber im Ernst. Miriam ist in meinen Augen die eierlegende Wollmilchsau in Sachen Sexualkunde. Ob als Frauenärztin im Kinderwunschbereich der Uniklinik Linz oder als selbstständige Sexual-/und Paartherapeutin in der eigenen Praxis, Miriam wuppt irgendwie alles und erklärt uns noch ganz nebenbei ein wenig mehr über den weiblichen Orgasmus. Mehr davon! 

Hey liebe Business Mama, willkommen zu einer neuen Interview, folge ihm Mama Business Podcast. Heute bin ich ein ganz klein wenig mehr aufgeregt als sonst. Miriam Motel ist nämlich mein Gast. Sie ist Sexualtherapeutin und Frauenärztin und wir unterhalten uns über das Thema Sex. Oder eher darüber, weshalb Mamas oft weniger oder auch gar keine Lust mehr auf Sex haben. Viel Spaß.

Nadine: Herzlich willkommen, liebe Miriam! Stell dich doch einfach mal vor. Du hast ja recht viele Jobs rund um das Thema Sexualität und Frauen. Und uns interessiert ganz besonders, was dein kleines persönliches Steckenpferd ist?

Miriam: Vielen Dank für die Einladung, dass ich hier sein darf und ein bisschen was berichten darf zum Thema Sexualität. Ich bin Frauenärztin und zusätzlich habe ich noch eine Weiterbildung zur Paar & Sexualtherapeutin gemacht. Die letzten zwei Jahre habe ich in einem Kinderwunschzentrum gearbeitet. Aktuell bin als Oberärztin an der Universität Linz in Österreich angestellt und arbeitet dort im Kinderwunsch Bereich, als auch im sexuellen medizinischen Bereich. Auch dort bin gerade dabei etwas aufzubauen. Also ich kenne das auch mit den Herausforderungen und wie das funktioniert. Ich glaube, dass das auch so ein bisschen mein Steckenpferd ist, dass ich so vielseitig in diesem Bereich bin. Und ich glaube, das habe ich mit den Muttis gemeinsam, weil auch die müssen natürlich sehr, sehr viele Dinge auf einmal wuppen!!!

 

Sexualität goodbye! 

[00:01:33]

Nadine:  Das ist auch total spannend, weil du wirklich vom Kinderwunsch bis rüber zur Sexualität diesen Bogen spannen kannst. Das ist ja eher untypisch und ich glaube, dass du dadurch sehr viele abholen kannst! Was für mich dieses ganze Thema ganz spannend macht ist, dass ich beobachtet habe, dass die Mütter sehr oft nach der Geburt des ersten Kindes dieses Thema Sexualität ins Nirwana verbannen! Es scheint einfach nicht mehr interessant zu sein. Die Unlust kommt. Und mit diesem Thema wirst du sicherlich auch Kontakt haben, vielleicht ja tatsächlich auch tendenziell mehr in der Paartherapie? Da würd mich sehr interessieren, wie deine Erfahrungen dazu sind.

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MEHR MUT MAMAS!

Miriam:  Also ich habe das schon gemerkt und ich habe auch einige Paare, die ich begleitet habe, gerade nach dem ersten Kind, oft aber erst nach dem zweiten Kind, wo es dann wirklich ausgeprägt ist. Und einen Grund hat natürlich eine biologische Ursache, dass die Frauen ein bisschen an Lust verlieren in dieser Zeit. Weil im Endeffekt ist man ja ungefähr 9 Monate schwanger. Da gehört der Körper einem schon nicht mehr selber. Und wenn man dann das Kind auf die Welt gebracht hat, dann ist es ja noch nicht vorbei. Dann „dient“ man weiter so ein bisschen als Inkubator! Zusätzlich wird einem ständig an die Brust gegriffen, an den Körper oder an den Rock und das geht ja noch ein paar Jahre weiter. Also selbst wenn dann nicht mehr gestillt wird, haben die Mütter oft gar nicht mehr ihre Rückzugsräume. Mir berichten die Frauen ganz häufig, dass ihnen der Körper nicht mehr Ihnen gehört. Und es gibt dann irgendwann so ein Punkt, wo sie das wieder für sich einfordern. Und das ist häufig auch der Punkt, wo sie dann bei mir in der Therapie landen, weil dann die Beziehung auch nicht mehr so ist!  Grund dafür ist, dass die Frauen sich wieder ein bisschen mehr emanzipieren und sagen: „Ich möchte wieder ich sein!“ Und das kann dann häufig in Konflikte führen, weil nicht genau klar ist, was ist gemeint und die Partner das auch oft falsch verstehen. Jetzt magst du nicht mehr oder jetzt hast du keine Lust auf mich, aber mit dem Kind kuschelt du?! Und das ist natürlich ein Sättigungsgefühl. Also wir wollen ja alle Nähe haben und irgendwann ist das natürlich absolut gedeckt. Und wenn dann noch das zweite Kind dazukommt und der Mann sich ebenso nach seinen Berührungen sehnt, dann denkt sich die Frau,  jetzt will schon wieder jemand was von mir! Das ist dann der Frau irgendwann „zu viel“ und das ist dann Verständlich, da vergeht mir die Lust ebenso.

Auch das kennen wir selber alle von der Arbeit. Wenn dann fünf Leute was von uns wollen, dann sind wir überfordert. Und wenn wir überfordert sind, reagieren wir gereizt. Und dann gibt’s natürlich unterschiedliche Sachen, wie man damit umgeht. Man konzentriert sich dann auf die Kinder, isst vielleicht, sucht sich ein Hobby an, aber man vermeidet die Situationen, die einem Unbehagen führt. Und das führt dazu, dass dann natürlich in eine Art Teufelskreis entsteht, die wiederum zu einer Unlust entstehen kann, anstatt dass man quasi die Sexualität als einen präventiven Faktor nimmt. Weil wenn ich jetzt sage, ich würde mich freuen, die Zeit mit meinem Partner zu verbringen und ich würde die Sexualität für mich als ein emanzipiertes Verhalten empfinden, also etwas, was für mich etwas Positives ist, dann würde ich das auch einfordern! Ich glaube, das setzt noch viel früher an, als wenn ein Kind kommt.

Ich glaube, dass einfach viele Frauen nicht das Gefühl haben, sie haben ein Recht auf eine erfüllte Sexualität. Anders ist halt auch das, wofür ich im Endeffekt einstehe. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch ein Recht auf Sexualität hat, und zwar auf eine erfüllte und auf eine individuell erfüllte. Und zwar nicht die Partnerschaft wegen haben wir jetzt Sex oder bei der man kommen möchte, sondern weil ich es mir wert bin, einen Orgasmus zu erleben! Und dann ist natürlich die Unlust nicht in dem Maße da, weil es vorher schon ein natürlicher Prozess ist. Und dann ist dies eine Auszeit, wenn ich Zeit mit meinem Partner verbringe und nicht eine zusätzliche Belastung. Wir sollten uns alle fragen, für wen habe ich eigentlich Sex? Und warum? Und erlaube ich mir, dass es mir Spaß macht?

 

Schwanger, Geburt und dann?

[00:05:58]

Nadine:  Hast du denn das Gefühl, dass es immer eine Verbindung zum Körper als solche ist. Ist es eventuell ein wenig die Ablehnung gegen sich selber, da sie mit ihrem Körper danach weniger zufrieden sind als davor?

Miriam: Es ist ja generell so, dass Frauen ja eher ein verzerrtes Körperbild von sich haben, was ja auch mit den Medien zu tun hat. Ich meine, das was wir in den Medien sehen, hat natürlich nichts mit der Realität zu tun. Für mich hat sich mein gesamtes Weltbild total verändert, seitdem ich als Frauenärztin arbeite. Ich habe echt viele Frauen gesehen und das ist eine Eichung. Ich weiß, wie die Realität aussieht. Ich kann aber verstehen, dass das bei anderen nicht so ist. Und dann entwickelt man natürlich ein Körperproblem damit. Also wenn ich das Gefühl habe, dass ich nach der Geburt 6 Wochen später schon wieder in dieselbe Jeans reinpassen muss, dann ist was verkehrt! Der Körper braucht mindestens so lang wie die Schwangerschaft, damit er überhaupt wieder in die Form von vorher kommt. Und die meisten von uns sind auch vor der Schwangerschaft nicht in der Form, in der wir eigentlich sein wollen. Und dann ist der Druck natürlich doppelt so groß, weil wie soll ich dann, wenn ich vorher schon Kleidergröße 40 hatte, auf einmal in eine 36 nach der Geburt reinpassen? Aber in meinem Kopf hätte ich gerne 36 … Und das hat natürlich nichts mit der Realität zu tun! Was aber viel häufiger  ist, dass die Frauen sagen, dass sie ihren Körper nicht so spüren, dass sie Ihre Körpergrenzen nicht mehr spüren. Ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass die Frauen während der Schwangerschaft und auch später im ersten, zweiten Lebensjahr ihren Körper im Endeffekt teilen, zum Beispiel durch das Stillen. Somit verlieren sie ein bisschen ein Anrecht darauf und dadurch entsteht es, dass sie Ihr selbst nicht mehr so spüren. Was gehört jetzt mir und was gehört mir jetzt nicht?. Wir können nicht zu unserem Kind sagen: „Hey, fass mich nicht an!“ Es ist ein Kind. Das ist eine richtige Ambivalenz, die dann in dir arbeitet.

 

Gute Partnerschaft nur mit Sex?

 [00:08:02]

Nadine: Wie kommen wir auf jeden Fall als zwingend notwendig sein zu sagen, „Ich habe nur eine erfüllte Partnerschaft, wenn auch das Thema Sex eine Rolle spielt?“

Miriam:  Ich würde sagen, sowohl als auch. Es ist weder entweder oder, sondern es gehört halt dazu. Es ist ein Stabilitätsteil! In der sexual Medizin spricht man häufig über drei Ebenen.

1.Beziehungsebene: Das ist das, was ich mit meinem Partner habe

2. Sexuelle Ebene, die quasi als Grundstock zählt, wo es um meine sexuellen Bedürfnisse geht. Was sind meine Präferenzen, was wünsche ich mir beim Sex?

3. Fortpflanzungsebene

Und was ich halt ganz oft erlebe ist, dass die Fortpflanzungseben überwertiger ist, in einem bestimmten Alter, in einer bestimmt Partnerschaftzeit und die sexuelle Ebene und die Beziehung ist eben nicht ganz so wichtig ist. Und wenn dann diese Fortpflanzungsebene wegfällt, sowohl beim Mann als bei der Frau, kriegen die anderen an höhere Bedeutung. Wenn dort aber ein Defizit ist, kommt es natürlich zu Konflikten. Das heißt, man darf sich da weiterentwickeln. Also man muss da nicht stehenbleiben, sondern das Schöne ist in der Sexualität, dass es immer weitergeht und dass man immer etwas Neues entdecken kann. Und das ist auch nach den Geburten anders erlebt werden kann.

Also ich habe Frauen, die sagen, z.B. vor den Geburten haben sie nie einen Orgasmus erfahren und sie haben durch die Geburt gelernt, sich fallen zu lassen. Weil das, was bei der Geburt passiert ist, so überwältigend war und das ist so übermächtig, dass es eine Grenzerfahrung war  und so einen Orgasmus ist auch so ne Mini-Grenzerfahrung. Da passiert ja was mit uns, was wir nicht kontrollieren können. Und wenn du dann gelernt hast, das loszulassen, dann konnten sie das natürlich besser erfahren. Wohingegen ich natürlich auch Frauen erlebt habe, die große Geburtsverletzungen oder eine traumatische Geburt hatten, die dann für sich sagen, die sich ab nun an nicht mehr in Ihrem Intimen Bereich wohlfühlen und keine Lust auf Geschlechtsverkehr haben. Das gibt’s natürlich auch! Und hier ist es dann wichtig, natürlich mit Geduld und viel Feingefühl in der Partnerschaft gemeinsam zu schauen. Wie kann vielleicht eine andere Sexualität gelebt werden oder wieder positive Erfahrungen besetzt werden.

 

Sexualität, aber wie?

[00:10:12]

Nadine: Kann es auch ein guter Weg sein, zu schauen, was für Möglichkeiten kann es für mich geben, mich diesem Thema Sexualität wieder zu erfreuen? Mich wieder zu öffnen, weil ich mich vielleicht im Alltag gestresst fühle. Diese mentale Pause in meinem Kopf zu bekommen, um mich wieder zu öffnen für die Sexualität.

Miriam:  Also ich glaube, dass der Sexualität ein Stabilisator in jedem Menschenleben sein kann und dass das eine unerschöpfliche Energiequelle ist. Weil ich dort eine Erfüllung habe, für mich. Was passiert eigentlich beim Sex? Beim Sex werde all unsere Grundbedürfnisse befriedigt!

Ich fühle mich gesehen von meinem Partner, wenn der Sex gut ist und er sieht, was ich mache.

Ich sehe mich geborgen.

Ich kriege Nähe.

Ich bin befriedigt , also meine eigene Bedürfnisse und meine Sinne sind befriedigt.

Ich habe ein Urvertrauen, was dabei entsteht.

Nur dann kann ich mich fallen lassen. Also was für eine bessere Stärkung könnte es geben, um ein Energiemuster zu kriegen? Da hilft auch kein Spa! Aber es muss halt eine für Sie erfüllte Sexualität sein. Und zwar nicht die pornografische Sexualität!

Für die eigene Sexualität muss Raum geschaffen werden. Und ich glaube, das ist die höchste Herausforderung! Und deswegen empfehle ich immer allen Paaren, dass sie eine Date Night machen. Und ich meine, das sagt jeder Coach und jeder Therapeut. Aber es ist so, weil wir uns für vieles Zeit nehmen, aber selten für ein  Abendessen mit dem Partner, dafür können wir uns keine zwei Stunden reservieren! Und es ist halt so, dass Kreativität natürlich aus Langweile entsteht. Und so ist es bei der Lust halt auch manchmal. Und dafür muss Raum da sein. Und wenn ich keinen Raum dafür schaffe, dass das entsteht, dann passiert es nicht. Und wir Frauen sind ja ein bisschen komplizierter, was die Lust angeht. Deswegen sage ich es häufig so, dass sie nicht merken, wenn sie hungrig sind, weil sie beschäftigt sind. Und so ist es mit der Lust. Auch sie nehmen sie nicht wahr, weil es kein Bewusstsein dafür gibt und deswegen darf man sich auch manchmal verführen lassen, weil der Hunger kommt beim Essen… Das möchte ich wirklich allen mitgeben, weil wir kennen das alle. Wir sind dann beschäftigt, werden tausend Rollen und wir vergessen diese Rolle auch.

Wir sind sexuelle Wesen und wir dürfen Sex haben, auch wenn wir Mütter sind und auch wenn wir Karrierefrauen sind! Das schließt es nicht aus!

 

Sexualität nach der Schwangerschaft?

[00:13:05]

Nadine:  Denkst du denn, es ist so ein bisschen auch, dass sich die Sexualität dann verändert, nach dem Kind? Vielleicht sucht man sich dann mehr Tools und Helferlein, um es schneller zu erledigen, jetzt aber  im Positiven gemeint.

Miriam:  Also es ist so das, was ich für Erfahrungen gemacht habe, dass wenn der Kinderwunsch abgeschlossen ist, dass dann die Sexualität immer wieder wichtiger wird.

Vorher ist sie sehr zielorientiert, wo es nicht unbedingt um Lustgewinn geht, sondern um Zeugung eines Kindes. Ich hab jetzt Eisprung, jetzt drei Tage und Schatz, du musst jetzt ran. Deswegen ist mein Ziel neben der Kinderwunsch Betreuung halt immer die Romantik noch zu erhalten bei den Paaren. Und ich glaube schon, dass man da natürlich schauen muss. Ich glaube, es ist keine Lösung, weil man nur Sextoys reinholt. Das führt zwar schnell zum Orgasmus, der ist aber nicht befriedigend, weil die Beziehungskomponente fehlt. Wir wissen alle, wir können masturbieren. Und ich kann jeder Frau empfehlen, wenn sie keine Lust auf ihren Partner hat, dann soll sie sich wenigstens Zeit für sich selber nehmen. Und wenn beispielweise in den 20 Minuten in der Badewanne ist, während die Kinder mit der Oma draußen sind. Einfach, dass sie sich mal wieder spüren, am Körper berühen. Sie müssen keinen Orgasmus erleben, aber einfach nur mal wieder sich Lust zu empfinden oder eine Erregung zu empfinden. Wenn man es dann schafft, das wieder auf die partnerschaftliche Ebene zu tun, dann ist das auch entspannter.

Kinder sind Stress für die Partnerschaft und der Beruf auch und gerade alles beide. Und dann braucht man nicht noch ein drittes Bein, was wackelt, sondern es darf ein Standbein geben und man kann auf einem Bein stehen. Aber wenn halt alles wackelt, dann ist es natürlich schwer!

Viele wissen gar nicht, wie einfach es ist hierüber Energie auch zu kriegen! Und wir wissen, dass die Leute gesünder sind, wenn sie eine erfüllte Sexualität haben, dass sie belastbarer sind, dass sie dadurch einen Ausgleich haben.

Ich empfehle lieber einmal mal in ein Abendessen zu investieren, als unbedingt in ein Coaching. Wichtig ist es sich einmal Gedanken darüber zu machen: „Was ist denn jetzt eigentlich wirklich wichtig?“ Ist es wichtig, dass ich die Steuern noch zwischen elf  und eins mache? Oder darf ich vielleicht auch einfach mal um zehn ins Bett gehen? Vielleicht zwei Stunden mit meinem Partner kuscheln, schmusen und/oder Filme gucken. Es ist auch okay, wenn man nur Netflix schaut und nicht mehr passiert! Ich verspreche euch, die Umsätze werden nicht einbrechen und ihr kriegt vielleicht neue Ideen, weil Ihr mal wieder mit eurem Partner redet und er euch auch mal wieder sieht!

Oft heißt es, du kümmerst dich nicht um mich. Oder einmal hat ein Mann gesagt: „Ja, aber ich glaube, du möchtest gar nicht gesehen werden!“ Wichtig: auch Frauen dürfen sich mitteilen! Und viele Männer finden dann die Frauen auch wieder attraktiver, weil sie etwas Neues entstehen lassen.

Lust entsteht natürlich auch, wer etwas neugierig ist. Deswegen sind wir am Anfang verliebt. Und wenn wir eine andere Facette von uns zeigen, in der Partnerschaft, und die entsteht, wenn Mütter sich beispielweise selbstständig machen, kann dies eine Zeit sein, wo man es hinkriegt, dass der Partner sich wieder neu in einen verliebt. Das ist ja die große Kunst bei einer Langzeitbeziehung. Und durch diese neugierigen Aspekte entsteht genau das.

Dann entsteht auch Lust, weil durch Neugierde entsteht natürlich Lust und das ist natürlich etwas wo ich sage, teilt es mit eurem Partner mit, holt sie/ihn mit ins Boot, die werden das sexy finden, dass da etwas Neues passiert!

 

Habe ich überhaupt Lust?

[00:17:34]

Nadine:  Also es ist wahrscheinlich in der Sexualität kein bisschen anders, wie es im Beruf oder im normalen Alltag miteinander ist. Es geht alles um die Kommunikation! Wenn ich nicht sage, was ich möchte oder was mir fehlt, kann ich auch nicht erwarten, dass es der andere riecht. Aber das ist tatsächlich so ein Frauen Ding…

Miriam:  Aber ICH muss es spüren, was MIR fehlt! Wenn ich 25 Dinge gleichzeitig mache und ich nehme mir nicht die Auszeit, um zu spüren, wie es mir geht, dann kann ich auch nicht kommunizieren, dass ich Lust habe. Dann spüre ich nicht, dass ich Lust habe, weil es keine Priorität ist. Ich sterbe nicht, wenn ich keinen Sex habe und der Körper weiß das und deswegen stellt er das ein. Und er merkt auch wenn ich Stress habe, hab ich keine Lust, weil dann wäre es echt schlecht, wenn ich schwanger werde. Da hat sich die Natur etwas bei gedacht. Und zwar wenn ich Stress habe, steigt das Prolaktin. Das ist das Milchhormon und das macht das mein Zyklus eingestellt wird. Wenn ich keinen Eisprung habe und diese Hormon Schwankungen nicht habe, dann habe ich natürlich auch nicht die Zyklus abhängigen lustvolleren Tage. Und dadurch bin ich dann irgendwann so down reguliert, dass ich natürlich keine Lust habe.

Und wenn man das mal begriffen hat, dann glaube ich, denkt man sich Okay, da kann ich ja was gegen tun. Und das kann so einfach sein. Und das wäre vielleicht eine halbe Stunde mit meinem Partner spazieren gehen. Und dann kommt vielleicht die Lust von alleine, weil da kein Stress war. Und dass Ihr dann einfach schaut, was sich da machen lässt.

 

Kinder als Ausrede für keinen Sex?

[00:19:19]

Nadine:  Kein Sex wegen fehlender Zeit alleine?

Miriam: Also wenn man möchte, dann geht alles! Und wenn es einem wichtig ist sich des Öfteren Kaffee von neben an zu holen und bereit ist dafür 15 Euro auszugeben sollte man sich die Frage stellen, ob  nicht vielleicht 15 Euro in eine Babysitterin besser investiertes Geld wäre? Oder auch ob ich Kaffee von neben an gegen eine Haushälterin eintausche?

Putzen ist nämlich auch so ein Thema… Der Haushalt bleibt ja häufig an den Frauen hängen und da hätte ich natürlich auch keinen Bock drauf. Dann richte ich das Bett, dann sehe ich die schmutzigen Socken dort. Da muss ich noch das waschen und dann soll ich auch noch den Mann befriedigen. Und dann lohnt es sich manchmal, diese 20 Euro pro Woche vielleicht für eine Putzfrau zu investieren! Und dann diese gewonnene Zeit, einfach mal auf sich anzuwenden. Und dann ist das gut investiertes Geld.

Und ich glaube, gerade als Unternehmerin sollte man das begriffen haben. Lieber mögliche Aufgaben abgeben und die dadurch gewonnene Zeit, mit dem Kind, dem Partner oder der effektiven Arbeitseinplanung genießen! Eure Zeit ist viel mehr wert als vielleicht diese Zeit, die Ihr dort schafft! Also da denke ich, darf man auch mal ein bisschen wirtschaftlich denken und die Sexualität und die Partnerschaft einfach als einen zusätzlichen Kostenpunkt oder Faktor mit einbeziehen. Ich finde, das gehört in ein Business-Modell rein, wenn wir über Work-Life-Balance reden. Das ist ein eigenes Modul. Also Partnerschaft und Sexualität sollte im Business Modellen sein.

Und ich glaube, dass das einfach das ist, was wichtig ist zu begreifen! Das ist doch einer der Vorteile, wenn man sich selbstständig macht. Es ist superschön, wenn man Kinder hat. Aber man darf auch darauf achten, dass man seine Partnerschaft erhält und dass man sich selbst erhält und dass man sich trotzdem selbst etwas gönnt. Frauen bezahlen sich meist als letztes, wenn sie Selbstständig sind. Und das, was sie sich noch weniger bezahlen als Geld, ist Sex, die Sexualität.

Genau deswegen hatte ich mich so gefreut, dass du mich eingeladen hast. Ich dachte, das sind die Frauen, denen ich sagen muss: „Ihr dürft einen Orgasmus haben und es steht euch zu!“  Und das ist mindestens genauso viel wert wie der 500 Follower oder der Newsletter oder der erste Umsatz. Das ist die Priorität 1!

Nadine:  Das sind die Themen, die hinter überkippen! Obwohl das, wie du sagst, es gibt dir Energie, es gibt dir Kraft. Es muss eigentlich genauso wie Sport oder was auch immer ein Punkt sein.

Miriam: Man fühlt sich ja so stark. Achte mal drauf, wenn du das nächste Mal erfüllten Sex hast, wie du danach raus gehst. Du bist den ganzen Tag energiegeladen, weil du dich gesehen gespürt hast, weil du dich wahrgenommen gefühlt hat.

Und das ist ja auch das, was uns auch frustriert im Business. Also das sind ja immer die Grundbedürfnisse. Die Missverständnisse, die entstehen, sind häufig, weil man das Gefühl hat, nicht gesehen zu werden oder dadurch missverstanden wird. Aber beim guten Sex passiert genau das. Es gibt nichts, wo man sich mehr sieht als beim Sex. Ja, wenn du mit deinem Partner zusammen bist bei deiner Partnerin und man sich so einander hingibt und das gibt dir so einen Sonnenenergie Boost. Das ist ja ungefähr so, wie wenn eine Leistung von deinen Kunden oder von deinem Chef oder wem auch immer gewertschätzt wird, fühlst du dich auch gesehen! Und trotzdem ist es dieses Intime, wo es nochmal um viel mehr geht. Es gibt dir so viel Kraft und so viel Energie. Man muss da nicht so oft Sex haben. Also ich sage jetzt, Ihr müsst euch nicht jeden Abend verabreden.

Übrigens, die Singles haben am wenigsten Sex von uns allen! Das ist übrigens ein Trugschluss. Also 95 Prozent aller Sexualkontakte, wenn ich mich richtig erinnere, entstehen in Partnerschaften und nur um die fünf Prozent bei Singles.

Tinder und Co haben hierbei übrigens nicht verändert! Weil Gelegenheiten gab es vorher auch. Da hast du dich halt in der Disco getroffen oder oder oder. Die Leute haben jetzt nicht mehr oder nicht weniger Sex als früher. Das ist ein absoluter Trugschluss. Ich würde sogar sagen, das Tinder Sex verhindert, weil wenn jemand schon einmal Tinder benutzt hat der weiß, erst muss man sich matschen, dann muss man sich schreiben. Da muss dieses Geschreibe auch noch irgendwie erträglich sein. Und dann hat das schon so viel Zeit gekostet. In der Zeit hat du schon zwei Dates haben können. Also in der Realität in der Disco, diese hat sogar noch Spaß gehabt. Dann triffst du dich mit der Person und er oder sie entspricht nicht der Realität/ deinen Vorstellungen. Dann hast du wieder zwei Stunden deines Lebens vergeudet und es hat nichts gebracht und du hattest immer noch keinen Sex. Wenn du aber in der Disco jemanden kennen lernst, da weiß du, was du kriegst, das motiviert natürlich!

Schlussendlich glaube ich, dass Tinder weder verhindert noch verbessert. Aber es ist halt einfach, glaube ich, ein großer Zeitfresser. Ich kenne super viele Tinder Babys und auch die, die sich kennen gelernt haben und schlussendlich geheiratet haben. Und ich finde, es ist eine gute Plattform gerade für berufstätige Leute, wenn sie sich nochmal neu orientieren wollen.

Ich persönlich nutze es gerne als Reiseführer, wenn ich in Urlaub gehe und gebe das auch ein, dass ich Leute suche. Dann matche ich Frauen und Männer und habe darüber wirklich tolle Leute kennengelernt. Und ich kenne viele, die in Partnerschaften sind, die das so nutzen. Die geben dann an, ich reise mit meinem Freund oder mit meiner Freundin und ich suche eine/n Reiseführer/in oder nette Gelegenheit. Das ist super lustig. Ich hab das in Israel gemacht. Ich habe so tolle Leute dort kennengelernt.

 

Podcast Elternsex

[00:27:07] 

Miriam: Ich hatte mit einer anderen Business Kollegin, die sich als Coaches für Mama’s quasi spezialisiert hat, die sich quasi Freiräume für sich selbst schaffen wollen. Also gerade dieses Thema wie schaffe ich diesen Freiraum? Hatte sie mich eingeladen über Eltern Sex zu reden.

Das war  lustig, weil alle waren ein bisschen skeptisch waren, ob wir den wirklich machen sollten. Aber wir haben es dann durchgezogen und es war schlussendlich ein Erfolg. Wir bekamen auch viel Feedback zurück. Es war einfach schön, weil ich glaube, dass das etwas ist, was einfach noch ein Tabu Thema ist. Also sich das einzugestehen ist sowieso schon eine schwere Sache, das dann auch zu thematisieren. Und dann vielleicht auch einzufordern.

Und da ist der erste Schritt schon so eine große Hürde, dass es dann oft einfacher ist, in der Unlust zu bleiben oder auch den Kindern die Rolle zu geben. Eines der häufigsten Klischees ist das Familienbett, ob dies daran schuld sein könnte. Und ich glaube ehrlich gesagt, dass es nicht daran liegt, sondern dass man das gerne als Ausrede nimmt. Das kennen wir vielleicht auch alle von der Jogginghose und das ist halt beim Sex nicht anders.

Also es gibt in einer Langzeitbeziehung selten spontanen Sex. Und ja, man darf Sex planen. Also ich sage jetzt nicht, Ihr sollt die Stellungen durchplanen und euch eine Zeituhr stellen, aber schafft euch Räume, wo ihr Sex haben könntet. Und wenn nicht, wenn ihr keinen Sex habt mit eurem Partner oder mit euch selber. Dass Ihr dort diese Erholungspause habt, wo es um euch geht, um euren Körper, um eure Bedürfnisse. Und wenn es nur zwei Stunden schlaf ist und/oder kuscheln mit dem Partner, wenn man mal das Kind abgegeben hat. Das ist vollkommen okay und man darf auch mal Sex einschlafen. Ich meine der Körper ist halt auch nur ein Symbol. Irgendwann ist man an dem Punkt und er holt sich was er will, nicht wahr? Welche Mutter ist noch nicht beim Stillen mit dem Kind gemeinsam eingeschlafen ? Und auch Männer schlafen beim gemeinsamen Sex ein, bevor man selber fertig ist, weil sie dann zu Ende waren . Also da dürft ihr euch bitte auch nicht schlecht fühlen, wenn ihr als Frau irgendwie da mal an eure Grenzen kommt.

Nadine: Ich finde, das spricht auch sehr dafür, einfach Dinge offen anzusprechen und nicht unter den Teppich fallen zu lassen. Und gerade eben als Eltern oder einer langen Beziehung rückt es in der Priorität so weit zurück, dass ich finde, wir sollten lauter fordern, dass es wieder an eine der ersten Stellen treten darf!

 

[00:30:16]

Nadine:  Deswegen vielen, vielen Dank Miriam für deine offenen Worte, finde ich sehr schön. Und danke für deine Zeit und ja, hoffentlich bist bald. Mir fallen bestimmt noch ganz viele Themen ein, die zu dir und deiner Aufgabe passen die unsere Mamas hier interessieren könnten.

Miriam: Jederzeit gerne. Aber ich freue mich, wenn ich nur eine Frau oder ein Mann erreichen kann, der eine erfüllte Sexualität hat, weil ich glaube einfach, dass mit so ganz kleinen Schritten die bei uns selber beginnen, so viel bewirkt werden kann. Und dass das so wichtig ist, dass wir das weitergeben an die Generationen, weil einfach so viel Druck da ist, der auch durch diese Schnelllebigkeit kommt, dass wir uns diesen Druck nicht in unserer Sexualität haben dreinreden lassen dürfen oder auch in unsere Körperlichkeit.

Nadine: Super schönes Schlusswort! Ich danke Dir! Dankeschön!

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