Tschüss Hamsterrad ・Hallo Selbstständigkeit

tschuess hamsterrad

Fühlst du dich manchmal wie der Spielball deiner Chefin oder deines Chefs?
Kreativ sein ist im Arbeitsalltag oft kaum mehr möglich, weil jedes Mal schon eine neue Aufgabe auf dich wartet, wenn die alte gerade als erledigt markiert wurde?

Damit bist du nicht alleine!

Wenn du die Lust am Angestellten-Dasein verloren hast und über Pro&Contra zum Thema Selbstständigkeit nachdenkst, lass uns gerne ein wenig tiefer eintauchen und sehen, was es hierbei zu beachten gilt.

 

Was sind die Voraussetzungen für deine Selbstständigkeit?

Eigentlich nur eins: MUT.

Aber da wir uns in Deutschland natürlich sehr gerne viel Bürokratie an die Backe kleben, benötigst du noch ein paar andere Skills:
Ich habe dir meine persönlichen 3 Pain-Points der Selbstständigkeit einmal zusammen gefasst. Dazu kommen wir aber erst am Ende. Ich möchte dich schließlich dazu ermutigen und dich nicht von der Idee “Selbstständigkeit” abhalten;-)

Als kleine Hilfe, habe ich eine Checkliste erstellt, die meine “13 TO DOs vor der Gründung” zusammenfasst.

Eine Erklärung zu all diesen Punkten erhältst du im kompletten Guide “Ab in die Selbstständigkeit”, den all meine Newsletter Empfängerinnen sofort nach der Anmeldung erhalten. Aber auch ohne Newsletter wirst du die Punkte nachvollziehen können. Da bin ich sicher.

Die Entscheidung ist schließlich eine langfristige und mit vielen weiteren Themen deines Lebens verbunden. Deshalb ist Punkt 1 der Checkliste in meinen Augen auch am aller wichtigsten:

Die Familie

Checkliste Selbstständigkeit

Wenn dein Partner bzw. die engsten Familienmitglieder (die vielleicht in das Thema Kinder-Betreuung involviert sind), nicht hinter dir stehen, ist der Stress schon vorprogrammiert.
Mein Mann hat mich von Anfang an zu 100% unterstützt. Meine restliche Familie konnte den Schritt zwar nicht nachvollziehen (da ich in ihren Augen einen super Job als Angestellte hatte) aber sie akzeptierten ihn. Denn auch schon meine vorherigen Jobwechsel konnten sie nie so ganz begreifen. Ich war schließlich immer bereit, mein komplettes Umfeld aufzugeben und wieder in eine neue Stadt zu ziehen, in der ich keine Freunde hatte und die Kollegen nicht kannte.

Für mich fühlte es sich aber jedesmal richtig an. 

Genau wie die Entscheidung, mich selbstständig zu machen. 

Allerdings war nicht das Hamsterrad der Grund meiner Selbstständigkeit. Aber in vielen Gesprächen mit anderen Mamas ist genau das ein Problem. Keiner hat Lust auf das täglich grüßende Murmeltier. Ohne Abwechslung sind die meisten unzufrieden, was ich absolut nachvollziehen kann.

Mit der Selbstständigkeit und dem Erfolg wächst definitiv auch das Selbstbewusstsein. Es ist schließlich ein völlig anderes Gefühl, den Erfolg zu 100% aus eigener Kraft herbeigeführt zu haben als nur interner Dienstleister eines fremden Unternehmens zu sein.

Ich habe mich zuvor noch nie beruflich und damit vor allem geistig so frei gefühlt wie heute. Und dieses Gefühl schlägt definitiv alle Negativ-Argumente. Zumindest für mich. Und dabei hatte ich davor wirklich tolle und sehr abwechslungsreiche Jobs. 

Wie gesagt, war dies bei mir auch nicht der Grund Unternehmerin werden zu wollen. Mein Problem war die Vereinbarkeit von Job und Familie.

 

Selbstständigkeit als Antwort auf die Frage  “Kind oder Karriere”?

Exakt. Genau das war mein Grund in die Selbstständigkeit zu gehen.

Bis mein Sohn zur Welt kam, sind mein Mann und ich von Mannheim über Stuttgart, nach Düsseldorf und Frankfurt gezogen. Und zwar aufgrund MEINER Jobs – nicht wegen seinem. Auch wenn das (natürlich!) die meisten Menschen denken (besonders weil mein Mann Pilot ist und damit doch 100% der Besserverdiener sein MUSS?!).

Ist Schubladendenken nicht etwas Praktisches?
Klar, das macht das Leben leicht. Ich lerne neue Menschen kennen und scheine exakt zu wissen, was sie aus welchen Gründen tun (oder auch nicht).

Jedenfalls habe ich meine Jobs alle immer sehr gerne gemacht und bin dankbar für die Chancen, die man mir als Frau (in gebährfähigem Alter) gegeben hatte. Und das jedesmal von Männern, die mich eingestellt haben. Darauf bin ich dann schon ein wenig stolz.

Jedenfalls kam der Tag, an dem wir uns ganz sicher waren, dass wir nach 12 Jahren wilder Ehe über Hochzeit und Kind nachdenken könnten.
2014 und 2015 war es dann auch soweit. Hochzeit. Kind. Elternzeit.

Alles schien perfekt. Ein liebes und ruhiges Kind. Tolle Mama-Freundinnen in meiner Frankfurter “Hood”, traumhafte Neubauwohnung und 1A Nachbarn.

Doch nach knapp einem Jahr Zuhause verspürte ich wieder Lust auf die Arbeit und wog ab, wie es weiter gehen konnte.

An Selbstständigkeit hätte ich damals im Traum noch nicht gedacht.
Ich wusste, dass meine Chefin mich gerne wieder im Boot haben würde. So kam ich in das Team einer wertgeschätzen Kollegin.

Es schien alles zu passen… 50% Stelle, wenig Verantwortung. Klare Arbeitszeiten. Genau die Dinge, die ich davor nie hatte und die als Mama perfekt zu sein schienen. 

Bis sie kam. Die Langeweile. Meine Chefin hatte dies sirgendwie schon vor mir gespürt. Ich versuchte mir noch ein wenig länger einzureden, dass schon alles passen würde. Denn für Außenstehende hatten wir die perfekte “Vereinbarkeits-Situation”.

Aber es zählt eben nicht nur der Blick von außen. Sondern meine Gefühl und meine Bedürfnisse sollten nicht gänzlich außer Acht gelassen werden, oder?

Meine Überzeugung ist also die:

– Wenn du gerne Verantwortung übernimmst,

– Entscheidungen triffst,

– ein Team führst und

– viele Bälle gleichzeitig spielst…

…dann ist es nicht einfach, mit einer klassischen Teilzeitstelle happy zu sein.

Unternehmen werden zwar langsam flexibler aber solange sie noch die Wahl haben, werden sie sehr wahrscheinlich die Person auswählen, die man einfacher in das Unternehmenssystem “pressen” kann.

Ich fand die Idee jedenfalls sehr reizvoll, mir selbst beweisen zu können, dass ich es auch ohne Konzern im Rücken schaffen werde, mein Gehalt mit eigener Kraft verdienen zu können. Und noch wichtiger – mich nach meinen Wünschen zu strukturieren anstatt fremdgesteuert zu sein.

Zeitliche Flexibilität in der Selbstständigkeit

Die wirst du definitiv haben. Aber auch nur dann, wenn es dir nicht schwer fällt, NEIN zu sagen.

– Nein zu Kunden, die ihre Termine nur nach 16.00 Uhr ansetzen. 

– Nein zu Anrufern, die dich regelmäßig fragen, weshalb sie dich “nie!” erreichen. 

Du musst deine eigenen Regeln aufstellen und diese selbstbewusst vertreten.

Ich garantiere dir, dass Kunden deine Flexibilität nach einiger Zeit der Zusammenarbeit zu schätzen wissen. Ich arbeite z.B. auch an den Wochenenden oder im Urlaub. Einfach, weil ich es gerne tue. Dafür kann ich aber auch problemlos einen Tag frei machen und in den Zoo gehen.  Andere Werte sind wichtiger als “Öffnungszeiten”

Neben dem Thema Flexibilität wissen meine Kunden genau, dass ich so ziemlich alles möglich machen kann. Ich mag Herausforderungen und habe auch kein Problem mit Deadlines. Natürlich kommuniziere ich klar, wenn diese völlig unrealistisch sind, aber wenn ich eine Zusage gebe, melde ich mich nicht einen Tag später per Mail, um die Deadline verschieben zu müssen. Mein Wort zählt. Und das kommt gut an. 

 

Was sind die Nachteile der Selbstständigkeit?

Zu Beginn habe ich dir schon verraten, dass die Selbstständigkeit nicht nur rosarot sein wird. Meine persönlichen 3 Pain-Points findest du hier auf einen Blick:

1. Bürokratie

Dich werden ein paar Behördengänge und unklare Briefe doch nicht aus dem Konzept bringen können, oder?

Naja, um ehrlich zu sein, habe ich im ersten Jahr regelmäßig gek…, wenn wieder einmal ein Brief der KSK (Künstlersozialkasse), der Rentenversicherung oder des Finanzamtes im Briefkasten lag.

Denn der Weg von der Entscheidung der Gesellschaftsform über die Gewerbeanmeldung (Achtung – nicht jede Tätigkeit muss als Gewerbe angemeldet werden) bis hin zur Beantragung eines Gründerzuschusses ist mit einigen Stolpersteinen ausgelegt.

Je mehr Ämter involviert sind, desto weniger klare Aussagen bekommst du.

Ein kleines Beispiel aus meinen Anfängen:

Da ich viele kreative Aufgaben ausübe (Webdesign, Branding, Autorentätigkeiten) fand ich die Möglichkeit super, die Hälfte meiner Sozialausgaben von der Künstlersozialkasse übernehmen zu lassen. Diese führt damit quasi die Aufgabe weiter, die früher dein Arbeitgeber hatte. Die 50:50 Aufteilung aller Sozialversicherungsbeiträge aus deinen Einnahmen zu  abzuführen. Hätte mich eine Freundin allerdings nicht darauf aufmerksam gemacht, wüsste ich bis heute wohl noch nichts von dieser Institution.

Soweit so gut.

Parallel habe ich mir einen Termin bei einem (ehrenamtlichen) Rentenberater gemacht, die es in jeder Stadt gibt. Ich war sehr unsicher, ob ich weiter freiwillig in die Rentenkasse einzahlen möchte oder lieber privat vorsorge. Sobald du in der KSK bist, stellt sich diese Frage allerdings nicht mehr (sagte man mir zumindest am Telefon), da die KSK selbst eine Art “Tochter” der Rentenversicherung ist und man damit ohnehin drin bleibt.

Damit musst du dir nur noch die Frage stellen, ob du freiwillig weiter in die Arbeitslosenversicherung einzahlen möchtest oder nicht.

Mein Fazit: 

Bist du im Kreativbereich tätig, schaue unbedingt, ob die KSK dich aufnehmen würde. Hier kannst du nachlesen, wem diese Möglichkeit offen steht.

Die Website der KSK ist wirklich gut strukturiert und deine Fragen werden dort sicher klar beantwortet. Falls nicht, schreibe deine Frage gerne in die Kommentare und ich bin sicher, jemand aus meinem Netzwerk kann dir weiterhelfen.

 

2. Versicherungen

Da das Thema Sozialversicherungen im Angestellten-Leben irgendwie automatisch funktioniert, möchte ich dir heute ein paar Stichworte zum Thema selbst-versichern mit auf den Weg geben:

Neben der Rentenversicherung hat dein Arbeitgeber bisher auch noch 50% deiner Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, Krankenkasse sowie der Pflegeversicherung getragen. Diesen Luxus wirst du erst realisieren, wenn er nicht mehr selbstverständlich ist (an dieser Stelle ein erneutes Hoch auf die KSK, die eben genau diesen Part übernimmt… Natürlich holt sie sich das Geld an anderer Stelle wieder. Aber dazu schreibe ich ein ander mal mehr).

Neben dem Thema der Sozialversicherungen wird sich dir sicher auch noch die Frage nach einer Berufshaftpflicht stellen. Ob und wie umfangreich du dich versicherst, hängt von deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis und natürlich deiner Tätigkeit ab. Ich bin z.B. bei Exali versichert, weil ich die Kommunikation sehr angenehm fand und eine Versicherung gesucht habe, die speziell auf Medien-Themen fokussiert ist.  Aktuell kostet mich der Spaß als Gründer ca. 450€/Jahr. Das wird natürlich mit mehr Umsatz und nach den ersten Jahren mit Rabatt nochmal ordentlich ansteigen.

Auch die Frage, ob du dich für eine private Krankenversicherung entscheidest oder freiwillig gesetzlich versichert bleiben möchtest, ist nicht unwichtig.
Da ich mich vor einigen Jahren schon mit der Frage beschäftigt habe, in die Private zu wechseln – mich aber bewusst dagegen entscheiden habe, fiel mir diese Entscheidung allerdings leicht. Ich bin mit meiner Krankenkasse und deren Service und Kostenübernahmen seit vielen Jahren extrem zufrieden und bleibe dort gerne (heimat-krankenkasse.).

MEIN TIPP: 

damit die Versicherungen deine Beiträge abschätzen können, musst du ihnen natürlich deine Umsatzerwartungen mitteilen. Das ist zum Start sicherlich kaum möglich und die meisten neigen dazu, den Minimalsatz anzusetzen, was auch völlig ok ist. Wenn dann aber die ersten Aufträge kommen, solltest du steigende Einnahmen ggf. auch unter dem Jahr angeben und deine Einschätzung erhöhen, um Nachzahlungen zu vermeiden. Bei der KSK geht dies ganz unbürokratisch online.

Und bitte denk’ dran: Einnahmen sind keine Umsätze 😉 Eine Begriffsdefinition findest du hier.

3. Buchhaltung & Steuern

Merke dir eines: Egal wie klein der Betrag ist, jede Rechnung zählt!
Und zwar in beide Richtungen: Alle Ausgaben für dein Unternehmen und natürlich auch deine Einnahmen.

Beide Themen sind für mich persönliche Hassthemen. Sie sind in meinen Augen furchtbare Zeitfresser und ich habe genau Null, komma Null Null Null Spaß an diesem Thema. Aber wir sind eben in Deutschland und damit immer noch ein kleines Stück korrekter als andere. Nun denn…

Steuerberater gesucht, Buchhaltungstool (Debitoor* – 17€/Monat) abonniert und angefangen Belege zu sammeln. Diese dann brav getrennt nach Monaten sortiert. Das Gleiche gilt für die Einnahmen. Nervig aber machbar.

MEIN TIPP:

Unbedingt von Beginn an ein Geschäftskonto nutzen. Bzw einfach ein von deinen Privatkonten getrenntes. Hier war ich das erste Jahr noch etwas schlampig. Ganz großer Fehler!

Der Steuerberater möchte schließlich für jeden Monat neben deinen Einnahmen und Ausgaben auch die Kontoauszüge sehen, um genau diese Einnahmen und Ausgaben dort abhaken zu können. Und das sollte am Ende dann exakt den gleichen Belegen und Rechnungen entsprechen, die du ihm gegeben hast. Nicht mehr und nicht weniger.

Mein Konto habe übrigens ich bei Kontist* (Sparda Bank). Für mich eine tolle Lösung – allerdings gibt es keine Desktop Anwendung. Wer also nicht gerne per App bezahlt, könnte sich vielleicht mal N26 anschauen.

Ist die Selbstständigkeit trotzdem die beste Lösung?

Das liegt an dir. Auch in der Selbstständigkeit kannst du dich in ein Hamsterrad katapultieren und zum Sklaven deiner Kunden werden.

Trotz allem bin ich der Meinung, dass die Selbstständigkeit tatsächlich nicht jedem die gewünschte Freunde und Freiheit bringen wird.

Wenn du die folgenden Aussagen zum Großteil mit JA beantwortest, würde ich noch einmal darüber nachdenken:

  • Ich liebe das Chaos
  • Ich habe keinen Überblick über meine Einnahmen / Ausgaben eines Monats?
  • Ich weiß nicht, welche Versicherungen ich habe
  • Ich kommuniziere und netzwerke nicht gerne
  • Ich bin unpünktlich und ziemlich verpeilt
  • Ich präsentiere und zeige mich nicht gerne

Es gibt definitiv auch sehr erfolgreiche und eher zurückhaltende selbstständige Frauen. Die Onlinewelt macht hier vieles leichter und wenn du im Netz entsprechend aktiv bist und an deiner Sichtbarkeit arbeitest, kann die Selbstständigkeit auch für dich ein guter Weg sein!

Wenn du Fragen zum Thema Selbstständigkeit  hast, schreib´mir gerne an nadine@mama-business.de oder hinterlasse einen Kommentar. Deine Frage ist bestimmt auch für andere Mamas interessant.

*alle mit diesem Sternchen gekennzeichneten Links sind persönliche Empfehlungen. Solltest du über diese eine Leistung buchen, erhalte ich eine kleine Provision. Du zahlst aber deshalb keinen Cent mehr. Versprochen.

Diesen Beitrag teilen:

Schreibe ein Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.