Mache, was sich richtig anfühlt. Kritisiert wirst du so oder so

Mach was sich gut anfühlt

Und genauso fühle ich mich gerade. Mitten im “Corona-Chaos” sitze ich hier am 11.03.2020 im Zug auf dem Weg nach Köln zu einer digitalen Espressopause* mit Juliane von Mama Meeting.

Das schlechte Gewissen nagt spätestens seit gestern Abend an mir, als meine Oma anrief.
Wie ich denn nur ins Risikogebieten fahren könne? Was das eigentlich solle und dass ich doch lieber einfach zwei Wochen lang nur Zuhause abwarten könne.

Ah ja. Schöne Vorstellung. Ich schließe mich zwei Wochen lang zuhause ein. Kind und Mann am besten gleich mit. Das wäre ungefähr so, wie der Insta-Post, den ich heute bei Katja Heil gelesen habe, die tatsächlich nach dem Skiurlaub in Tirol zwei Wochen in Quarantäne Zuhause saß. HORROR.
Kind gelangweilt, Mann will schlafen, ich genervt. Kann man mal machen. An den Wochenenden. Aber doch bitte nicht zwei Wochen am Stück. Ohne das Haus zu verlassen?!

Natürlich hätte es jetzt nicht gerade Köln sein müssen, aber Zug und Hotels sind seit Wochen gebucht und bezahlt. Und warum soll ich mich dort eher anstecken als in Karlsruhe oder Bühl? Wir leben in einer globalen Welt. Menschen reisen und selbst im letzten Dorf finden sich Leute aller Couleurs. Also bitte.
Natürlich verstehe ich, dass die Oma besorgt ist. Das ist sie aber auch, wenn ich nur zu einer Abendveranstaltung ins 20km entfernte Baden-Baden fahre.
Es liegt einfach in ihrer Natur und ich kann mich noch gut erinnern, dass sie mich manchmal nach dem Feiern gegen 4:00 Uhr morgens winkend am Schlafzimmerfenster mit den Worten “dann kann ich jetzt endlich ruhig schlafen” empfangen hat.

Das ist für mich ein typisches Alltags-Beispiel. Es zeigt mir, dass ich an MIR arbeiten muss. Nicht an anderen. Die sind eben wie sie sind und meine Aufgabe ist es, mit deren Art klar zu kommen und Aussagen richtig einzuordnen.

Viele “Hinweise” sind nicht einmal als Kritik gemeint aber wir verstehen sie so.

Warum das so ist, frage ich mich regelmäßig. Aber seit ich wieder in meiner alten Heimat wohne, fällt mir oft auf, dass ich es einfach so gelernt habe.
Ich wurde von Mama und Oma erzogen und beide haben ein recht klassisches schwarz/weiß-Denken. “Das war eben schon immer so”.
Veränderungen sind nicht ihre Stärke. Das ist auch völlig in Ordnung, wenn ihnen das die notwendige Sicherheit bietet.
Nun bin ich aber kein bisschen so und das macht die Kommunikation zwischen uns Frauen im Alltag oftmals anstrengend.

Die Eltern als größte Kritiker

Als wir 2016 Frankfurt verlassen und zurück in meine alte Heimat Bühl gezogen sind, war das Miteinander kaum zu ertragen. Egal welche Handlung wir als Eltern durchgeführt haben, sie wurde kritisiert. Da gab es auch nichts falsch zu verstehen. Es war eindeutig Kritik. Diese gab es allerdings fast ausschließlich für das Thema Erziehung.

Könnte das vielleicht daran liegen, dass wir uns mit allem anderen in den letzten Jahren unseres Zusammenlebens ziemlich gut bewiesen haben und unser Lebenskonzept erfolgreich war? Vielleicht.
Nach ungefähr zwei Jahren hat die Familie nun aber auch eingesehen, dass das Konzept “steter Tropfen höhlt den Stein” bei mir eher erfolglos ist. Ich höre mir ihre Meinungen und Tipps gerne an und wenn sie in unseren Familien-Alltag passen, setze ich sie um. Wenn nicht, dann nicht. So einfach ist das.

Wahrscheinlich ist es auch bei dir meist Kritik innerhalb der Familie, die dich auf die Palme bringt, oder? Sicherlich, weil genau diese selten konstruktiv, sondern oft hart und teilweise verletzend ist.
Es hat lange gedauert, aber mittlerweile nehme ich sie mir einfach weniger zu Herzen. Das hat geholfen.

Kritik aus dem Büro

Gnadenlos ehrliches Feedback von Kollegen oder Chef? Hörst du sicher auch nicht allzu gerne…
Mir fiel es im Berufsleben immer sehr schwer, Kritik anzunehmen. Sicherlich habe ich mir auch deshalb besonders viel Mühe gegeben zu glänzen.
Ob ich das heute immer noch so machen würde, wenn ich nicht selbstständig wäre? KEINE AHNUNG. Aber wahrscheinlich schon.
Es fühlt sich aber definitiv besser an, mein Ding durchzuziehen.

Natürlich ist es einfacher zu kritisieren als kritisiert zu werden. Aber wie wir es in der Schule schon gelernt haben, kann konstruktive Kritik auch dabei helfen, sich weiter zu entwickeln. Und das kann ich zu 100% bestätigen.
Feedback (oder verwunderte Gesichter) ernte ich mit meiner Offenheit regelmäßig. Ich bin mittlerweile gnadenlos ehrlich und widerspreche (potentiellen) Kunden auch gerne. Egal in welcher Hierarchieebene diese stehen und wie alt sie sind. Bin ich dabei höflich und aufrichtig, schadet diese Offenheit kein bisschen.

Meine Ziele zählen – nicht die vom Chef!

Meine „Art“ hilft mir, meine persönlichen Business-Ziele konsequent zu verfolgen. Nicht die einer Vorgesetzten oder gleich mehrerer Abteilungen, so wie ich es von früher kannte.

Damit bin ich nicht mehr weichgespült, sondern habe Ecken und Kanten. Meine Ziele wurden nicht von einer Geschäftsführung auf zig Abteilungen herunter gebrochen, bis eine Kompromisslösung entstanden ist, hinter der kein Kollege mehr 100%ig stehen kann. Das hatte ich früher zu Hauf.

Eine feste Meinung erzeugt auch immer Gegner, die dieser nicht zustimmen werden. Aber ist das denn so schlimm? Oder ist es nicht eher spannend mit Menschen in die Diskussion zu gehen?

3 Argumente für die Selbstständigkeit:

    1. Du verfolgst DEINE Ziele. Nicht die von jemand anderem, hinter denen du evtl. gar nicht stehen kannst. Und denkst du nicht, dass es viel leichter ist, etwas umzusetzen, das man aus absoluter Überzeugung tut?
    2. Deine Persönlichkeit entwickelt sich weiter. Du wirst so viele kreative Ideen haben, die sich im Angestellten-Dasein einfach keinen Weg durch deine Gedanken bahnen konnten. Dieses Gefühl ist unfassbar toll.
    3. Du definierst deine Arbeitszeiten selbst. Wenn du dir einen Wochentag für die Familie frei nehmen möchtest, tust du das eben.

Was du brauchst? Eine große Portion Mut!

Ich habe bis zu meiner Selbstständigkeit immer versucht, jedem zu gefallen. Es irgendwie allen recht zu machen. Damit ging es mir nie schlecht, aber mutig war das nicht.
Wirklich mutig war ich eigentlich nur bei der Entscheidung meiner Jobwechsel. Hierfür sind wir von Stuttgart nach Düsseldorf und Frankfurt gezogen.
Ich habe jedes Mal liebgewonnene Freunde und ein gut eingespieltes Team verlassen. Unwissend, was in der neuen Stadt auf mich warten wird.
Die beruflichen Ziele hatte ich immer vor Augen und wollte sie um keinen Preis ziehen lassen.
Rückblickend war dieser Mut wahnsinnig bereichernd. Jede Stadt mit all ihren Kollegen und Freunden hat mir so viel gegeben. Meinen Horizont erweitert und mir für neue Dinge die Augen geöffnet.
Rückblickend frage ich mich manchmal, was ich wohl alles verpasst habe, da mein Mut sich lediglich beim Thema Job-Umzug zeigte.
Vielleicht hätte ich Spaß an einer Extremsportart gefunden?! Oder an einer Weltreise?
Hätte hätte Fahrradkette.
Wen interessiert´s?
Ich bereue keine Sekunde meines Lebens. Mein Weg ist bis heute genau der Richtige. FÜR MICH.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat meine Familie sicherlich als den mutigsten meines Lebens eingestuft. Ich wurde hart für diese Entscheidung kritisiert. Sicherlich ganz besonders, weil alle genau wussten, wie gut ich als Angestellte “performe” und funktioniere. Das habe ich schließlich 15 Jahre in Form von Titeln und Gehalt bewiesen.

Nur mein Mann hatte stets Vertrauen in meine Entscheidungen. Manchmal sogar mehr als ich selbst. Ohne ihn und zwei enge Freunde, die mich in dieser Entscheidung bestärkt haben, wäre ich vielleicht doch nicht ganz so mutig gewesen, wie ich es mir manchmal gerne einrede.
Diese Entscheidung empfinde ich bisher als die befreiendste meines Lebens. Selbstständig zu sein um seine eigenen Geschäftsziele bestimmen zu können, Ideen zu verfolgen, die einem mal eben aus dem Nichts in den Kopf kommen und alle anderen Tagespläne einfach zu Nichte machen dürfen.

Oder einfach mal, den Stift zur Seite zu legen um ein Eis essen zu gehen.
Solch eine Freiheit ist mit Geld nicht zu bezahlen und ich bin dankbar für den Mut, sie getroffen zu haben. Trotz Gegenwind.

* Die digitale Espressopause ist ein Mini-Interviewformat, das ich seit 2019 bereits für meine Marketingagentur Q13 im Einsatz habe

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