Wie wir (völlig planlos) ein Kinderbuch veröffentlicht haben

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Viele Dinge habe ich als (noch) Nicht-Mama müde belächelt. Zum Beispiel andere Mamas, die sich berufen fühlten, ein Kleingewerbe für DIY Produkte zu starten. Bevorzugt für Produkte, die man mit einer Nähmaschine herstellen kann.

Aber am seltsamsten fand ich Eltern, die sich plötzlich kompetent genug vorkamen, ein Kinderbuch zu schreiben. Und das,  ohne zuvor Journalismus studiert zu haben.

Woher diese innere Ablehnung kam, kann ich nur vermuten. Ich denke mal, dass ich diese typisch deutsche Denke einfach gelernt habe.

Bloß keine Ausreißer im Lebenslauf! Immer schön den geraden Weg gehen! Rechts oder Links braucht kein Mensch! Schwarz und Weiß sind absolut ausreichend!

Ich bin nicht intolerant erzogen worden, aber eben ein wenig altmodisch.

Für meinen beruflichen Erfolg war dieser Weg ganz sicher sehr von Vorteil. Innerhalb meines Horizontes gab es keine großen Ausreißer in Richtung „kreativer Selbstverwirklichung“.

Abitur mit Note 2,3. BWL Studium an der Berufsakademie Mannheim, danach Einkäuferin bei Breuninger und ESPRIT und seit 2010 für Marketing & Sales bei den Onlineshops von ESPRIT und DEPOT verantwortlich.

Ich hatte großes Glück. Auch nach meinem Studium der Modebranche treu bleiben zu dürfen, denn ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich so ganz langsam eine Art Leidenschaft, die ich zu Beginn noch wenig einordnen konnte. Ein Mix aus BWLer-Wissen und kreativem Fashion-„Zeug“.

Und irgendwie vermischten sich damit auch Hobby und Beruf (oder welches Mädchen geht nicht gerne shoppen?!).

Mit Kind wird alles anders

Diesen schlauen Spruch dürften wohl schon viele Eltern gehört haben, aber so wirklich glauben kann man das erst, wenn es einen selbst „trifft“.

Neben den typischen Alltagshürden wie Schlafmangel und Spielzeug-Chaos, änderte sich bei mir (schleichend) eben auch noch etwas ganz anderes: Meine Grundeinstellung. Oder wie es heute so schön heißt: Mein Mindset.

Ich hatte plötzlich mehr Verständnis für Dinge, die ich vor 2015 nicht durchgehen lassen wollte. Unordnung oder „Aufschieberitis“ zum Beispiel.

Oder eben Projekte, die keinen finanziellen Erfolg mit sich bringen mussten.

Wobei „plötzlich“ übertrieben ist. Mein Sinneswandel dauerte immerhin fast vier Jahre.

Vom Insider zum Kinderbuch

Wie kamen wir nun also zum eigenen Kinderbuch?

2014 haben wir nach 12 Jahren wilder Ehe geheiratet. 2015 dann der Nachwuchs. Wie die meisten Mamas in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft, hatte auch ich vielen Schnickschnack schon vor der Geburt. Fertig eingerichtetes Kinderzimmer, zu viele Bodys, Spielzeug.

Als könne ein Neugeborenes damit irgendetwas anfangen. Naja. Aber man freut sich eben und die Online-Recherche nach diesem und jenem Artikel, der einem in irgendwelchen Mama-Foren vorgeschlagen wurde, machte einfach Spaß.

So glaubte ich also auch, dass ein Baby unbedingt eine Kinderwagenkette benötige und habe uns eine zum Thema „Astronaut“ bestellt.

Nun bin ich von der Schnellkauf-Sorte und lese nicht unbedingt allzu detailliert die Produktbeschreibung. (Eigentlich komisch, da genau das eine meiner Aufgaben bei ESPRIT und DEPOT war und ich mir um die Bedeutung einer guten Beschreibung zur Retourenvermeidung absolut bewusst bin.)

Eines Tages landete die Astronautenkette also direkt aus China bei uns im Briefkasten. Total goldig aber definitiv zu groß für einen Kinderwagen (außer für Eltern, die ihr Kind darin nicht unbedingt sehen möchten).

Deshalb zog die Kette im Kinderzimmer ein und wurde von meinem Mann freudig begutachtet. Warum auch immer fanden wir sie beide irgendwie besonders.

Ein Astronaut, ein Alien, ein Planet und ein Stern.

Immer wieder alberten wir beide über diese Kette und gaben den Figuren Namen: Der Astronaut wurde zu Anton und der Planet zur Ufoblume.

Wie schreibt man nun ein Kinderbuch?

Wir wissen nicht wieso, aber beide liebten wir diese komische Kette und eines Tages sagte mein Mann aus dem Nichts zu mir:

Ich schreibe ein Kinderbuch darüber.

Meine Reaktion war sicher nicht allzu nett. Ich belächelte die Idee und winkte ab. Dazu solltest du wissen, dass mein Mann in der Schule alles andere als ein Held in Deutsch war und ich auch bis heute diejenige bin, die jeden offiziellen Schriftverkehr noch einmal gegenlesen darf.

Also machte ich mir dazu keine weiteren Gedanken und vergaß die Idee schnell wieder.

Irgendwann kam er allerdings von einer Dienstreise nach Hause und meinte: „Ich habe das Buch geschrieben“.

Ich verstand erst gar nicht, was er meinte und dann gab er mir den 1. Entwurf.

Vom Text zur Illustration

Und was soll ich sagen – die Geschichte war total lieb. An den einzelnen Sätzen feilten wir gemeinsam und entschieden dann, dass unsere langjährige Freundin Anna ins Boot geholt werden musste.

Sie zeichnet seit vielen Jahren. Meist sind es kindliche Motive in ihrem ganz eigenen und charakterstarken Stil.

Es brauchte keine Sekunde Überredungszeit und Anna war mit dabei.

Wir luden sie zu uns ein um ihr den „echten“ Anton zu zeigen aber nachdem sie die Geschichte gelesen hatte, sagte sie sofort: „Ich sehe Anton schon genau vor mir!“ Und so reagierte mein Mann genau richtig und entschied sich, dass wir uns auf Annas Phantasie verlassen und ihr das Original nicht zeigen sollten.

Der Knaller war dann aber tatsächlich der, dass sie uns eine erste Anton Illustration zeigte und der kleine Astronaut dem „wahren“ Anton unfassbar ähnelte.


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Das ist für uns drei bis heute das coolste und unglaublichste Erlebnis innerhalb unserer Anton-Story.

Wo druckt man sein Buch?

Diese Frage stellte ich mir während Anna fleißig am Zeichnen war und besprach mich mit einigen Kontakten, die ich dank DEPOT hatte (Ravensburger, Pixie und ein großer Verlag, der für Lidl alle Bücher produziert). Aber natürlich waren wir für diese Anbieter, genau wie für die anderen Großen (und auch Kleinen) der Branche eher unattraktiv (zu kleine Menge).

Warum also das Ganze nicht selbst in die Hand nehmen, anstatt Monate oder vielleicht sogar Jahre auf eine Antwort von Coppenrath & Co zu warten.

Geduld war noch nie meine Stärke. Also entschieden mein Mann und ich, dass wir bereit waren, ein paar Tausend Euro in die Hand zu nehmen und diese in unser eigenes Projekt zu investieren.

Wo nun aber drucken? Ich holte mir einige Angebote ein und wie es nun mal so ist, endet alles meist aus Kostengründen in einem Kompromiss.

Es wurde also leider nicht das schöne, grobe Naturpapier wie bei „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab´?“ Aber was soll´s. Unser quadratisches Wunschformat stellte zum Glück kein Problem dar und da ich A/B-Tests liebe, sollten es am Ende zwei Formate werden. Ein Softcover á la Maxi-Pixie und ein klassisches Hardcover.

Welche Auflage macht Sinn?

Da der Stückpreis sich natürlich nach der Menge richtet, war schnell klar, dass wir uns mindestens irgendwo zwischen 500-1000 Stück pro Variante bewegen sollten. Gesagt getan und nach einigen kleinen Diskussionen lag die 1. Auflage bei 1.500 Stück.

Wie kommen handgezeichnete Bilder auf den PC?

Diese Aufgabe war der absolute Härtetest für unseren Kollegen im Druck. Dazu solltest du wissen, dass Annas Zeichenstil recht „ausgefranst“ ist. Es gibt selten klare Ränder, die mal eben gescannt und ausgeschnitten werden können. Hätten wir hier nicht einen persönlichen und sehr freundschaftlichen Kontakt zu unserem Drucker gehabt, wäre das Buch ganz sicher an genau dieser Stelle gescheitert. Nicht, weil es technisch nicht machbar gewesen wäre, sondern weil es einfach so viele Stunden Arbeitszeit gekostet hat, die wir unter Berücksichtigung eines „normalen“ Stundensatzes nicht hätten stemmen können.

Da unser Drucker aber selbst ein wenig verliebt in das Thema war und auch bald Papa wurde, holten wir ihn kurzerhand einfach mit ins Team.

An dieser Stelle noch einmal ein unfassbar großes DANKE an Dich, Daniel. Ohne deinen Einsatz würde es Anton heute definitiv nicht in dieser hohen Auflage geben (aktuell sind wir bei Auflage 2).

Innerlich hat mich Daniel sicher einige Male nach unseren Feedback-Terminen verflucht aber umso dankbarer sind wir bis heute, dass er alles ohne miese Laune umgesetzt hat.

Eines unserer wichtigsten Learnings war somit, dass Anna keine Aquarelle mehr zeichnen sollte, sondern wir beim nächsten Buch auf Copic Stifte oder noch besser auf digitale Zeichnungen umsteigen werden.

Buchpreisbindung, MwSt, ISBN und VLB

Alles Themen, mit denen ich mich bis dahin kein bisschen beschäftigt hatte.

Für mein Kleingewerbe interessierte mich die MwSt damals noch nicht und die anderen Themen waren allesamt nur für Menschen aus der Buchbranche interessant.

Nun galt es also, mich in diese Themen einzulesen und einen meiner lieben Studienkollegen zu interviewen, der bis vor einigen Jahren noch vier  Buchhandlungen führte.

Meine Learnings kurz zusammen gefasst:

  • Beim Buch gibt es keinen Spielraum für Rabatte. Überlege dir also einmal einen Preis, dessen Marge zwischen EK und VK alle anfallenden Kosten tragen wird und damit hat es sich auch schon. Kosten sind an dieser Stelle zB. Honorare, Druck, Layout, Marketing, Website, Versand
  • Ein Buch wird nur mit 7% besteuert, was seit einigen Monaten auch endlich für E-Books gilt, die bis 2020 noch mit 19% besteuert wurden.
  • Bist du noch Kleingewerbe spielt die Steuer keine Rolle. Bedenke aber, dass du den Preis deines Buches dann nicht einfach um 7% erhöhen kannst sobald du Ust pflichtig wirst, sondern kalkuliere sie direkt in den VK mit ein
  • Eine ISBN macht aus meiner Sicht definitiv sehr viel Sinn. Denn egal ob Amazon oder Einzelhandel, ihr benötigt einen Strichcode für die Kasse und die Kosten dafür halten sich im Rahmen. Ich habe für uns gleich ein 10er-Pack gekauft da wir aufgrund der zwei Buchgrößen ohnehin zwei Nummern benötigt haben

TIPP:

Gekauft haben wir 10 ISBNs 2018 bei www.german-isbn.de.

Das hat netto 180€ gekostet. Plus die Listung in allen Buchhandlungen (VLB) für 69€/Jahr plus EANs (10Stk für 49€).

V L B – macht das Sinn?

Natürlich hatten wir -wie sicherlich die meisten Autoren- den klassischen Traum, in vielen Buchhandlungen stehen zu dürfen. Hierfür macht es Sinn, beim VLB (Verband lieferbarer Bücher) gelistet zu sein, was jährlich ca 70€ bedeutet. Bist du gelistet, tauchst du in jedem Computer einer Buchhandlung auf – was aber eben auch nur dann spannend ist, wenn die Leser aktiv nach deinem Buch fragen. Und mal ehrlich – wie hoch ist in Zeiten eines eigenen Onlineshops und Amazon diese Wahrscheinlichkeit? Oder anders gefragt – wann hast du das letzte Mal in einer Buchhandlung nach einem bestimmten Titel gefragt?

Um die Kosten zu decken, hätten wir über ein Jahr also sieben Hardcover für 9,99€ oder 18 Minis 3,99€) über die Buchhandlungen verkaufen müssen. Und das haben wir leider nicht. Thema getestet, für uns nicht sinnvoll. Gekündigt.

Wo sollte man verkaufen?

Amazon, Onlineshop, eBook oder im stationären Einzelhandel?

Ich würde mich selbst als kleine „Vertriebssau“ bezeichnen und wollte natürlich am liebsten überall „zu haben“ sein.

So starteten wir im August 2018 mit dem Vorverkauf über unseren eigenen Onlineshop auf www.astronaut-anton.de. Parallel dazu legte ich einen Amazon Seller Account an. Über dieses Kapitel schreibe ich irgendwann einen separaten Artikel, aber für den Moment sollte die Info ausreichen, dass die Kommunikation mit Amazon als Endkunde gigantisch gut und als Seller zum k… ist. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass man als Autor dort vertreten sein sollte.

Amazon ist zu einer wichtigen Suchmaschine mutiert und wer als Kunde bereit ist, lieber 3€ Versand über den US-Riesen anstatt 1,20€ über unseren eigenen Onlineshop zu bezahlen, bitteschön. Die 3€ gibt übrigens Amazon vor. Nicht wir.

Anfangs hatte ich auch über eine EBook Version für das Kindle nachgedacht. Aber mal ehrlich: Wer möchte denn bitte ein buntes Kinderbuch auf einem farblosen Display ansehen?!

Der Vorverkauf läuft…

Sich für verschiedene Verkaufskanäle zu entscheiden ist ja schön und gut – aber solange man unbekannt ist, auch ziemlich egal. Deshalb gilt es ab dem Moment, in dem der Preis steht und der Liefertermin einigermaßen klar ist, auch mit dem Verkauf zu starten. Bei Büchern ist ein Vorverkauf zum Glück eine gängige Sache. Physisch gab es unser Buch ab November zu kaufen und bis dahin hatten wir es ab August geschafft, mehr als 100 Vorbestellungen über unseren eigenen Shop zu generieren. Erstaunlicherweise hielten sich der Verkauf des Minis und des Hardcovers so ziemlich die Waage (heute und damit knapp 1500 Bücher später ist das Mini etwas im Vorteil).

Als Lager diente bis 2020 unser Keller. Vorab hatte ich 250 wattierte Umschläge bestellt, Briefmarken für den Buchversand gekauft und Anton-Etiketten drucken lassen, auf die wir die Empfängeradressen schreiben konnten. Schließlich sollten die ersten Kunden unsere besondere Wertschätzung spüren und Annas schrieb die Adressen von Hand. Gerne auch mit Widmung sofern die Käufer uns eine Notiz hinterlassen haben.

Unsere Hardcover entsprechen in der Größe einer 3/4 DIN A4 Seite. Die Umschläge sind wiederum ebenfalls auf DIN A4 genormt. Dass man aber solch ein Buch damit ganz locker in einen Umschlag schieben könnte, war der völlige Irrglaube. Jedes Buch wurde zum neuen Kampf, der teilweise in aufgetrennten Umschlagseiten endete, die anschließend wieder verklebt werden mussten. Bis nachts packten meine Schwiegermutter und ich die Vorbestellungen und fluchten bei jedem einzelnen Umschlag.

Doch genau solche Erfahrungen gehören eben zu Selfmade-Projekten dazu und mit 1,5 Jahren Abstand kann ich heute darüber lachen.

Unser Marketing für ASTRONAUT  ANTON

Wir haben uns – wie wohl die meisten heutzutage – für Social Media als Hauptmedium entscheiden und alle Freunde eingeladen, unserem Anton ein Like zu schenken. Ohne den Einsatz von Ads.

Für die regionale Bekanntheit führten wir zwei Interviews mit den gängigen Tageszeitungen und verteilten einige Muster an Kindergärten und Kinderärzte.

Bei Amazon klappt der Verkauf ohne Werbung über die Suche von Eltern, die wohl einfach gerne Astronauten mögen.

Was ich dir empfehle

Spielst du mit dem Gedanken, selbst ein Buch zu veröffentlichen, sage ich nur eines: MACH´ ES EINFACH!

Und solltest du Fragen haben oder dir Unterstützung wünschen, melde Dich gerne. Per Mail oder hinterlasse hier einen Kommentar. post@astronaut-anton.de

Mein aktuelles Buch Projekt:

Aktuell unterstütze und berate ich die Behindertenhilfe Tansania e.V. bei der Erstellung eines Kinderbuchs über den behinderten Elefanten Tembo, das 2020 erscheinen wird.


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