Gründen in der Elternzeit – macht das Sinn?

macht gründen in der Elternzeit Sinn

Du bist Mama, gerade in Elternzeit und stellst fest, dass dein Leben so nicht weitergehen soll? In die alte Anstellung möchtest du ungern wieder zurück, da du absehen kannst, dass sich der Alltag zwischen festen Arbeitszeiten und Kita nicht wirklich entspannt gestalten lässt?
Den ganzen Tag aber ausschließlich Mama sein und den Haushalt schmeißen ist auch nicht so wirklich dein Ding?

Beides total nachvollziehbar.

Irgendwie merkst du auch, dass nach einigen Monaten zu Hause irgendeine neue Kraft in dir brodelt? Du liebst es Mama zu sein aber möchtest dich auch weiterhin beruflich verwirklichen?
Vielleicht geht es dir wie mir und du hast nicht im Traum darüber nachgedacht, dich jemals in deinem Leben selbstständig zu machen? Die Sicherheit war dir immer wichtiger als die kreative Selbstverwirklichung und auf Themen wie private Versicherung hattest du bisher exakt 0 Bock.

Nun ja. Kind da. Leben anders.

Die Karten werden noch einmal neu gemischt und wenn du deine Antennen auf Empfang eingestellt hast, bist du auch offen für komplett neue Ideen. Zumindest ging es mir so und ich bin unendlich dankbar, dass ich mich aus meinem jahrelang getragenen Korsett lösen konnte und noch einmal bei Null begonnen habe. Und das meine ich exakt so. Mit Euro Symbol dahinter.Ich habe mich mit vollem Bewusstsein gegen meinen gut bezahlten Angestellten Job entschieden. Und das, obwohl ich bereits während der Elternzeit zurück in Teilzeit gestartet bin und mich mit einer 50% Teilzeit Stelle und weitaus weniger Verantwortung als zuvor nun wirklich nicht kaputt gemacht habe.
Doch warum machte mich das einfach nicht mehr happy?
Weil ich während der Elternzeit nun einmal ganz klar festgestellt habe, dass ich ein Arbeitstier bin. Ich liebe es, Dinge voranzutreiben, meine eigenen Ideen umsetzen zu dürfen und keinen 9-5 Job zu haben. Ich will nicht Dienst nach Vorschrift machen, ich will für ein Thema brennen. Und dafür setze ich mich auch gerne nochmal an den Laptop, wenn mein Sohn im Bett liegt und verzichte mit Freude auf den Netflix Film, den mein Mann ausgesucht hat.

Ist gründen in der Elternzeit nun also wirklich eine sinnvolle Idee?

Starten wir ganz am Anfang. Elternzeit und Elterngeld sind zwei Paar Schuhe. Es ist nicht unbedingt sinnvoll sofort in der Elternzeit mit deinem neuen MAMA BUSINESS zu starten. Gönn` dir doch erst einmal ein wenig Zeit um deinen eigenen Weg überhaupt erst finden zu können. Wofür schlägt dein Herz? Welche Themen machen dir Freude und welche Menschen bereichern dein Leben? Genau in dieser Zeit ist es solch eine tolle Sicherheit, vom Staat Support zu erhalten und sich um Einkommensthemen keinerlei Gedanken machen zu müssen. Genieße das. Genieße die neue Familienzeit. Lernt euch als neues Team kennen und verschwende nicht allzu viel Zeit auf das Business Thema. Sich Gedanken machen ja – sofort ein Gewerbe anzumelden und Kunden zu suchen nicht unbedingt.
Warum ich das sage?

Weil dir schlicht und einfach zwei Dinge bewusst sein sollten:


1. Die Anfangszeit mit einem Baby kommt nie wieder zurück. Auch wenn dich schlaflose Nächte schier in den Wahnsinn treiben, wirst du doch nie wieder innerhalb eines Jahres so viele Dinge “zum ersten Mal” miterleben dürfen.


2. Sobald du auch nur den ersten Euro verdienst, während du Elterngeld beziehst, muss dir klar sein, dass Elterngeld und Einkommen gegeneinander aufgerechnet werden.

Ich finde, wenn man das so schwarz auf weiß liest, irgendwie auch total nachvollziehbar, oder?
Und trotzdem lese ich immer und immer wieder aufgeregte Posts in den sozialen Medien, die Hilfe suchend nach einer Lösung ringen, welche sie aus der Steuer-Nachzahlungs-Misere retten.
Hm. Vielleicht kann ich da mit einigen Jahren Abstand auch einfach etwas realistischer beurteilen? Keine Ahnung. Aber wovon ich mittlerweile Ahnung habe, ist das Thema Selbstständigkeit.
Wenn du nun also ernsthaft mit dem Gedanken spielst, die alte Sicherheit hinter dir zu lassen, möchte ich dir gerne 6 Tipps an die Hand geben:

1. Eile nicht überstürzt
Kündige keinen Job, wenn du nicht vorab alle Details einer Selbstständigkeit kritisch beäugt hast.

2. Sozialabgaben
Sei dir bewusst, dass du deine Sozialabgaben zu 100% selbst tragen musst, da kein Arbeitgeber die anderen 50% übernehmen wird (betroffen sind: Krankenkasse, Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung)

3. Künstlersozialkasse
Prüfe, ob du in die KSK eintreten kannst. Sie wird quasi zum Arbeitgeber-Ersatz, was die Sozialabgaben angeht und übernimmt 50% deiner Anteile. Allerdings nur, wenn du in einem Künstlerisch/Kreativ-Beruf tätig bist.

4. Versicherungen
Überlege, welche Versicherungen du evtl. abschließen möchtest (z.B. Berufshaftpflicht. Ich habe meine z.B. bei EXALI*)

5.Budget
Setze dir ein grobes Budget als Startkapital um dein Business zu starten (Büro, Steuerberater, Website, Branding, Hardware…)?

6. Familie
Überzeuge die Familie von deiner Idee. Ich spreche hier nicht nur von deinem Lebenspartner oder deiner Lebenspartnerin, sondern evtl. auch von weiteren Verwandten wie euren Eltern, die evtl. in das Thema Kinderbetreuung involviert sein werden.
Den Segen müsst ihr euch nicht holen – aber ein gewisser Grad an Unterstützung wäre im Bestfall tatsächlich sehr wünschenswert.
Meine Familie konnte die Entscheidung auch nicht nachvollziehen, da ich doch “so einen tollen Job” hatte. Doch meine Prio lag auf meinem Mann, der mich zu 100 % verstand und unterstützte.
Und trotz allem sollte deine Familie soweit hinter dir stehen, das feste Betreuungszeiten nicht aufgrund deiner beruflichen Situation stets von Neuem zu diskutieren sind. Wenn ihr vereinbart habt, dass die Oma 2x die Woche den Nachwuchs von der Kita einsammelt, sollte eine Selbstständigkeit nicht immer und immer wieder Diskussionen hervorrufen, da du doch schließlich Zuhause bist und man dir das Kind dann vielleicht doch direkt nach der Kita nach Hause bringen könnte.
Kommunikation ist alles. In der Liebesbeziehung genauso wie in Richtung Oma/Opa. Zu hoffen, dass es schon irgendwie hinhauen wird ist kindisch und zu kurz gedacht.
Sprich an, welchen Support du dir von der Familie wünschst und versucht einen gemeinsamen Nenner zu finden, der dir genügend Luft zum Atmen gibt.
Du verstehst, was ich meine?

Das Fazit aus all den vielen Buchstaben von oben ist das Folgende:

Bist du noch in einer Anstellung, ist es egal wieviel du nebenbei verdienst. Der Betrag ist genauso Einkommen wie das Elterngeld und wird damit für deine Steuer auch angerechnet. Es gibt hier keinen Zaubertrick (nur einen Steuerfreibetrag von 9.408 im Jahr 2020) – den Staat interessiert am Ende einfach nur die Summe deiner Einnahmen. That´s it.

Falls du es noch nicht wusstest:
-Dein Elterngeld wird zwischen 300€-1800€ liegen (=67% deines durchschnittlichen Nettogehalts im letzten Jahr. Ein paar Ausnahmen gibt es hierzu. Diese findest du hier beispielhaft sehr einfach erklärt.

-Und wenn du nebenher mehr als 30h/Woche arbeiten gehst, verlierst du deinen Anspruch sogar komplett.

-Sobald du also über die 30h kommst, endet deine Elternzeit und damit deine Sozialversicherungsrechtliche Beschäftigung. Die Familienversicherung bei deinem Ehepartner ist dann nur bis zu einem monatlichen Einkommen von 385€ möglich und darf nicht hauptberuflich ausgeübt werden.

Überlege dir also genau, ob du während der Elterngeld-Phase schon etwas dazu verdienen möchtest.

Wirklich Sinn macht dies, nur wenn du:

a.) dem Staat nicht auf der Tasche liegen willst
b.) so viel Einkommen selbst generierst, dass dieses locker dein Elterngeld übersteigt

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