Achtsamkeit – was bringt das wirklich, Karima Stockmann?

Achtsamkeit Karima Stockmann
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Karimas Lachen ist zu schön, als dass du das Interview nur lesen oder im Podcast hören solltest. Schau es einfach auf YouTube an und lasse dich von ihrer guten Laune anstecken!

Hey liebe Business Mama, willkommen zu einem neuen MAMA BUSINESS® Podcast Interview. Heute mit einer Frau, deren Lachen einfach ansteckend ist. Karima Stockmann ist Speakerin und Autorin und ihre Mission lautet: Mutmachen. Sie ist gelernte Diätassistentin und hat auch nach der Diagnose Diabetes ihre Lebensfreude nicht verloren. Im Gegenteil. Manchmal führen eben auch gerade solche Schicksalsschläge auf den richtigen Weg. Heute sprechen wir über die Notwendigkeit, achtsam durchs Leben zu gehen

PS: Im Text findest du die Zeitstempel aus dem Podcast, falls du an einer bestimmten Stelle doch lieber in den Podcast einsteigen möchtest. Das sieht dann so aus: [00:03:12] = Minute 3 und 12 Sekunden.

Achtsamkeit + Autorin + Speakerin = Karima

Nadine: Schön das du heute da bist, vielen Dank für deine Zeit. Wir reden über das Thema Achtsamkeit. Über dieses Thema bin ich tatsächlich erst so richtig in meiner Selbstständigkeit gestolpert. Das hatte ich ehrlich gesagt in meinem Hamsterrad nicht auf dem Schirm. Ich hatte zwar eine Kollegin, die sich damals schon sehr damit beschäftigt hatte und uns alle auch mit einer App, die jede Stunde einen Gong geschlagen hat, daran erinnertet, achtsam zu sein.
Aber für mich persönlich war es tatsächlich kein Thema, das ich aktiv auf dem Schirm hatte, bevor ich nicht in die Selbstständigkeit gegangen bin.
Deshalb beschäftigt sich MAMA BUESINESS® nun mit beiden Themen: Business aber eben auch um Selfcare Themen.

Das Thema Vereinbarkeit ist ein Problem und wir müssen schauen, dass die Familie bzw. ich selbst nicht zu kurz komme.

Karima:  Hallo Nadine. Erst einmal zu dem Thema Mama und Business. Ich bin nämlich auch Mama und habe eine Tochter, dreieinhalb Jahre alt. Damit bin damit auch ganz gut bedient, weil ich immer sage, ich habe noch ein zweites Kind, meinen Diabetes. Der Diabetes begleitet mich schon ein bisschen länger, schon seit meinem 17. Lebensjahr.

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Und er hat mich im Endeffekt auch auf diesen Weg gebracht. Ich bin  einfach schon sehr früh mit Dingen konfrontiert worden:

  • die Endlichkeit meines Lebens. Was mache ich jetzt aus der vielleicht kürzeren Zeit, wenn ich nicht so lange leben darf wie meine Freunde und so weiter?

Heute weiß ich natürlich, dass ich sehr viel davon selbst in der Hand habe, wie alt ich werde und wie gesund ich bin.

Grundsätzlich war die Prognose damals mit 17 Jahren, dass ich gesagt bekommen habe, dass meine Lebenserwartung 20 Jahre kürzer sein wird als bei gesunden Menschen.

Wahrscheinlich erblindest du irgendwann mal, könntest an Niereninsuffizienz erkranken, eventuell einen Herzinfarkt erleiden, Schlaganfall usw.

Also es war sehr, sehr beängstigend mit 17 und jetzt rückblickend kann man aber wirklich sagen, dass das ein ganz, ganz wichtiger Meilenstein in meinem Leben war, weil ich dadurch eben auch gelernt habe, dass es einfach keinen Sinn macht, immer so mit meinem Kopf in der Zukunft zu hängen, mit den Ängsten und was da alles auf mich zukommen könnte. Oder auch in der Vergangenheit. Was da wohl jetzt dazu geführt hat, dass ich das bekommen habe. Ich habe einfach gemerkt, was du beeinflussen kannst, ist das hier und jetzt.

Also lebe im hier und jetzt und als wenn du wirklich kürzere Zeit hättest. Letzten Endes wissen wir ja alle nicht, wann wir gehen müssen.

Dann lebe das, was wirklich du bist!

  • Was ist dir wichtig?
  • Was willst du mit der Welt teilen?
  • Was willst du hinterlassen?

Und deswegen hab ich dann relativ früh auch angefangen, eben einfach Dinge zu machen, die mir wirklich Freude bereiten, so auch im beruflichen. Ich habe erst eine Ausbildung als Diätassistentin gemacht, hab mein Bibelstudium quasi geschmissen, weil ich mir dachte , ich will mit Menschen arbeiten. Also quasi umgesattelt. Und dann, aufgrund dieser ganzen Ernährungsberatung und den Schulungen hab ich gemerkt „Mensch, da ist noch viel mehr wichtig als nur die Ernährung für mich, um gut mit meiner Krankheit umgehen zu können oder auch ohne Krankheit gut zurechtzukommen im Leben.“
So habe mich dann eben im Bereich Persönlichkeitsentwicklung selbst fortgebildet. Und habe dann eigentlich erst durch meine Ausbildungen als Stressmanagement Trainerin und Meditationsleiter gemerkt, dass all das, was ich schon viele Jahre zuvor an Ritualen für mich etabliert habe, nichts anderes sind als Glücks-Strategien, die anderen gelehrt werden.
Und da habe ich mir gedacht „na ja, wenn ich das eh schon mache und mir das scheinbar so leicht fällt, weil es bei mir auf einer natürlichen Basis herausgewachsen ist, dann will ich es als meine Lebensmission nehmen und teile deswegen heute mehr Lebensfreude Tipps als Ernährungstipps.“

Mittlerweile spüre ich so viel Herzblut, wenn ich Menschen damit anstecken kann, gut auf sich selbst zu achten und ihr Leben zu leben.
Und das versuche ich eben über verschiedene Kanäle, unter anderem über meinen Blog. So hat das alles angefangen im Jahr 2011 mit dem Bloggen. Aufgrund des Blogs ist dann ein Verlag auf mich aufmerksam geworden, die 2014 das erste Buch mit mir gemacht haben.
Jetzt ist es unter einem neuen Titel seit 2018 wieder auf dem Markt. Aufgrund des Buches* habe ich dann wiederum Workshops dazu entwickelt, war auf Buch-Lese-Tour usw.
Es hat sich so alles gegenseitig befruchtet und deswegen bin ich jetzt als Autorin, aber eben auch als Speakerin in Unternehmen, auf Kongressen und digital unterwegs.

Buch: Ich bin ganz bei mir selbst: Mein Mitmachbuch für mehr Achtsamkeit*

Was ist denn eigentlich Achtsamkeit?

[00:05:46] Karima:  Viele denken bei Achtsamkeit immer erst mal an bewusst atmen und meditieren. Aber Achtsamkeit ist für mich ein Fundament.

Im Endeffekt berührt es alle Bereiche deines Lebens, weil letzten Endes darfst du achtsam sein mit deinen körperlichen Bedürfnissen. Braucht mein Körper gerade ein bisschen Stretching, oder habe ich das Gefühl, ich brauche Sauerstoff und dann muss ich in den Wald rausgehen.

Und ich glaube, das Schwierige in der heutigen Welt ist dabei nicht zu vergessen, dass es nicht nur darum geht, irgendwie Wissen zu konsumieren und es dann einfach blind umzusetzen, sondern dass es eben darum geht, achtsam zu sein, was wirklich zu mir passt.

Also was macht es denn überhaupt mit mir? Es gibt nämlich die verschiedensten Optionen. Es kann ja sein, dass die eine eher einen fixen Termin braucht, z.B. für eine Yoga Session oder zum Meditations-Kurs und die andere, die stresst solch ein Termin vielleicht eher. Sie möchte es lieber flexibel halten.
Die eine will es vielleicht alleine machen, die nächste in der Gruppe. Die Übernächste braucht eine Anleitung, der andere eben nur ein Video.

Das heißt, im Endeffekt versuche ich den Menschen einfach zu helfen wieder zu sich selbst zu finden. Ich bin achtsam mit meinen Bedürfnissen und auch mit meinen Leitwert. Nur weil ein anderer z.B. den Leitwert hat, dass Vitalität für ihn das Allerwichtigste ist und er eben jeden Tag eine Stunde joggen gehe, muss das nicht mein Wert sein.
Es kann sein, dass ich diesen Wert vielleicht auch spüre, aber er mir nicht so wichtig ist. Sondern dass mir vielleicht  die Freiheit oder die Kreativität wichtiger sind. Und dann will ich vielleicht lieber Musik machen anstatt Sport zu machen.

Und dann, wenn ich das erkannt habe, dann eben genau DAS in mein Leben zu integrieren. Denn aus dieser Kraft profitieren am Ende schließlich alle- also auch die Familie, der Partner, die Kollegen.

Zudem muss ich mich dann fragen:

Was hält mich davon ab, es umzusetzen?

Und genau da helfe ich den Menschen mit verschiedenen Strategien.

Das Geheimrezept ist es, einfach auszuprobieren.

Oft wissen wir ja erst, was zu uns passt, wenn wir es einfach mal ausprobieren. Und deswegen biete ich z.B. sowohl in den Büchern als auch in den Workshops immer wie eine Art Buffet, kleine Kostproben, bei denen die Menschen einfach ganz viele Dinge probieren können.

  • Wie fühlt sich so eine Meditation an oder einfach achtsames Atmen?
  • Wie fühlt es sich an, meinen Körper zu scannen, meine Gefühle wahrzunehmen?
  • Wie fühlt sich das an, wenn ich mir zuhause einen schönen Wohlfühlort kreiere oder mir ein Date mit mir selber vereinbare oder Dinge mal anders mache?

Das heißt, man darf vieles ausprobieren, um dann seinen Weg zu finden. Und letzten Endes spricht die innere Freude zu einem, die dir dann deinen Weg weist.

Wenn ich also merke, was mir gutgetan hat, sollte ich genau dem weiter nachgehen.

Nadine: Man könnte tatsächlich sagen, es ist nichts anderes als mein Bauchgefühl. Auf sich selber hören, in sich reinhören, oder?
Achtsamkeit ist, in vielen Köpfen  mit Begriffen wie Yoga oder Meditation belegt.
Aber für alle, die sich nicht so sehr mit diesen spirituellen Themen wohlfühlen, kann man ja wirklich sagen es ist nichts anderes als ein Bauchgefühl.

Ist dein Weg auch mein Weg?

[00:10:26] Nadine: Und das ist ja tatsächlich in unserer Gesellschaft ein richtig großes Problem, finde ich, weil jeder meint, er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und sein Weg ist DER Weg.
Doch darum geht’s ja gar nicht. Es geht darum, einfach zu testen, was für mich passt.
Wir hören leider nicht mehr auf uns selbst, sondern sind dauerhaft am (mit)schwimmen.

Karima: Und wenn man Glück hat, dann ist es gut. Wenn man aber Pech hat, dann ist es eigentlich nicht der eigenen Natur entsprechend. Und dann wird man immer weiter ausgelaugt und merkt eigentlich gar nicht so richtig, woran es liegt, weil man denkt, ich mache doch jetzt schon, was MAN eigentlih machen sollte.
Und warum funktioniert das nicht? Ja, weil es vielleicht nicht der richtige Weg für dich selber ist, sondern nur der angeblich beste Weg. Vielleicht für deine beste Freundin. Oder für deine Mutter. Und nur weil die das jetzt total begeistert machen, muss es eben nicht heißen, dass es für einen selber auch gut passt.

Achtsamkeit im Alltag

[00:11:44] Karima: Ich persönlich mache sehr Vieles – vor allem Kleinigkeiten. Und ich variiere das auch.
Es gibt Phasen, in denen ich jeden Morgen um 5.30 aufstehe, damit ich (bevor die Kleine wach wird) schon Yoga gemacht & meditiert habe.
Und dann gibt’s Phasen, in denen ich eher merke, ich brauche den Schlaf.
Gerade jetzt, wo ich mein Buch geschrieben habe, habe ich irgendwie meinen Rhythmus geändert.

Aber diese 10 Minuten Meditation in der Früh, versuche ich eigentlich immer zu machen, weil ich einfach gemerkt habe, dass die Lebensqualität und auch die Qualität der Frühstücksatmosphäre besser ist.

Wenn man aufwacht und dann theoretisch gleich der erste Blick aufs Handy geht und dann wieder irgendjemand etwas von dir will, meine Tochter sich nicht gleich anziehen lässt, startet man unentspannt in den Tag.
Es gibt immer Faktoren, die so ein bisschen Unruhe reinbringen.
Also mit einem Kind ist kein Tag superleicht. Da kann man tun was du willst, das Kind hat immer seinen eigenen Rhythmus. Und damit du gelassener mit dieser Eigendynamik umgehen kannst, ist es wahnsinnig wichtig, selbst zentriert zu sein und erst einmal bei sich zu sein, damit man dann auch diesen Raum geben kann, in dem das Kind es selbst sein kann.

Wenn du nämlich diese Basis in dir nicht hast, dann bringt dich ein Kind schnell ins Kippen. Und dann lässt du dich auch anstecken von dieser Unruhe oder von diesem Genöle. Wenn ich aber morgens meditiere, geht es mir besser.

Was für michsuper wichtig war – zu erkennen, dass Achtsamkeitnicht nur auf dem Meditationskissen stattfindet, sondern dass du eben durchaus auch Alltagsaktivitäten nutzen kannst.

Und dadurch wird im Endeffekt Spülmaschine ausräumen oder Frühstück machen zu einer Achtsamkeitspraxis.

Und es funktioniert schon alleine dadurch, dass ich wirklich auf meinen Atem achte. Bewusst einatme und laaaaange ausatme.
Und dann zum Beispiel meine Füße auf dem Boden ganz bewusst spüre, während ich meinen Porridge koche.

Wichtig: versuche nicht schon mit meinen Gedanken  den ganzen Tag zu planen!
Das funktioniert auch deswegen sehr gut, weil ich am Abend vorher meinen Tag plane. Als Selbstständige ist dies noch einmal wichtiger.

Ein weiterer Anker für mich ist die Musik. Musik berührt mich einfach.

Ich höre morgens schon schöne Musik, auch manchmal sehr laut. Dabei kommt es auf meine Stimmung an, ob ich mich eher für klassische oder auch arabische Tanzmusik entscheide.

Das mache ich auch mit meiner Tochter, wenn sie nach Hause kommt und sie ist ein bisschen unruhig und hibbelig. Dann wird auch mal gemeinsam so eine Art Putzparty gemacht. Die Musik wird aufgedreht. Dann tanzen wir, während wir ihre Spielsachen aufräumen.
Aber keine Sorge – das hilft natürlich auch nicht immer. Auch bei uns ist nicht immer nur gute Laune angesagt!

Aber ich versuche zumindest nach dem Bedürfnis, das ich und mein Kind gerade haben, zu handeln. Und dass ich auch meine Bedürfnisse nicht komplett hinten anstelle, wenn ich mit meiner Tochter zusammen bin.

Ohne Ausgleich keine Zufriedenheit

[00:17:23] Karima: Ich glaube, dass es oft ein Mami-Problem ist, dass wir irgendwie immer denken, unser Kind hat Vorrang. Wir haben es so gelernt. Weil das auf den ersten Blick auch ehrenhaft erscheint. Aber langfristig hat das Kind überhaupt nichts davon. Weil wir dann irgendwie immer unzufriedener werden. Und das spiegelt sich dann ja auch in der Laune des Kindes wieder. Es ist so essentiell, auf seine eigene gute Laune und  Bedürfnisse zu achten!
Da muss ich immer wieder diesen Spruch meine Mutter zitieren:

Nur ein voller Krug kann die Gläser füllen!

Da ist so viel Wahres dran.
Ich kann schließlich nicht immer nur verteilen und am Schluss ist der Krug leer und ich habe nichts getrunken.

Nadine: Ich sehe das wie du. Das hat aber auch bei mir  ein paar Jahre gedauert.
Weil ich eben gelernt habe, dass man sich als Mutter immer hinten anstellt. Was ja generell eine ehrenhafte Haltung ist.
Aber wenn ich eben schlecht gelaunt bin, kriegt mein Kind das ab. Macht mit. Hat auch schlechte Laune. Es hat also keiner Etwas gewonnen.
Da ist es auch ganz wichtig, sich selbst zu vertrauen. Denn man selbst weiß, was richtig ist. Und da sollte man sich nicht von anderen reinreden lassen.
Deshlab bin ich der Ansicht, dass ich auch mal Nein sagen muss. Dinge ablehnen sollte. Auch wenn das  auf den 1. Blick unhöflich erscheint. Aber das ist es nicht. Es ist einfach nur ehrlich und fair und bringt dich selbst weiter.

Solidarität? Fehlanzeige!

[00:19:41] Karima: Man denkt ja immer, wenn man ein gleiches Schicksal teilt, dass man dann irgendwie solidarisch ist. Witzigerweise finde ich aber gerade unter Müttern ist diese Solidarität oft gar nicht vorhanden.
Also gerade in den sozialen Netzwerken oder selbst auf dem Spielplatz.

Jeder denkt, dass seine Werte die sind, wonach sich alle richten sollten.

Ich finde es so wichtig, dass man sich eingesteht, dass jede von uns ihre eigenen Werte haben darf. Ich darf entscheiden, was für mich und die eigene Familie richtig ist.

Ich glaube, solange eine Mutter etwas macht, weil es sich gut anfühlt und nicht, weil sie eine fremde Erwartungshaltung erfüllen muss, ist das richtig.
Eben auf das eigene Bauchgefühl hören.

Jeder hat einfach ein anderes Bauchgefühl und es ist nicht für jede das Gleiche richtig!
Ich wünsche mir mehr Mitgefühl für das Anderssein!

Ich hab dazu auch einen großen Aufruf gemacht, als das ganze Thema Alltagsrassismus aufkam.

Mitgefühl baut im Endeffekt eine Brücke zum Anders sein.

Also nur weil jemand etwas anders macht, heißt es nicht, dass es schlechter ist, sondern es ist nur anders. Nur weil es anders gelernt, anders konditioniert wurde, ist es nicht gleich falsch.

Nadine: Das Hauptproblem sehe ich in der Zeit, in der die Kinder noch ganz klein sind. Diese massive Unsicherheit. Man bekommt zwar viel Wissen von der Elterngeneration und ist trotzdem in den ersten 1-2 Jahren sehr hilflos. Es gibt eben so viele Informationen, tausende Info-Heftchen und Bücher. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

Oftmals handelt es sich auch um Trends ind er Erziehung. Bei mir was es das Thema bedürfnisorientiert zu stillen. Das fühlte sich für mich aber nie richtig an. Also habe ich es auch nicht gemacht.

Trotzdem fand ich das erste Lebensjahr sehr, sehr schwierig. So viele neue Themen und man bekommt  immer wieder Meinungen übergestülpt.
Entweder von den Eltern oder von der Gesellschaft. Und dabei vergisst man sich selbst.
Und as ist ein ganz großer Fehler!
Hört auf euer Bauchgefühl – von Anfang an!

Karima: Und was ich dabei auch so wichtig finde, ist, dass man sich bewusst sein sollte, dass es natürlich manchmal auch in einem selbst Wertekonflikte geben kann. Es ist ja nicht so, dass wir nur einen Wert haben, sondern wir selber haben vielleicht auch z.B. den Wert Familie und den Wert Freiheit.
Also habe ich einen inneren Konflikt, denn auf der einen Seite möchte ich am liebsten 24 Stunden bei meinem Kind sein, auf der anderen Seite würde ich am liebsten alleine in den Bergen sein und ein Buch lesen.

Es ist wie das Fahrrad fahren. Ständig bist du dabei den Lenker auszubalancieren, damit du auf dem Rad sitzen bleibst. Würdest du damit aufhören, würdest du runterfallen. Du machst also unbewusst die ganze Zeit minimale Bewegungen.
Und ich glaube, so ist es im Leben auch. Wir dürfen losfahren, damit wir Schwung kriegen, damit wir überhaupt die Balance finden. Und dann ist es einfach ein ständiges Nachjustieren.

Und es kann sich auch alles nochmal verändern. Nur weil ich in der ersten Schwangerschaft was so oder so gemacht habe, heißt es nicht, dass ich das mit den nächsten auch noch machen möchte.

Sich treu bleiben = Achtsamkeit für die Seele

[00:25:50] Karima: Super wichtig: dich nicht beirren zu lassen. Vielleicht hattest du früher andere Werte. Und jetzt hast du plötzlich herausgefunden, dass es anders wirklich besser ist.
Natürlich verändert sich auch im Außen immer wieder etwas. Gerade jetzt mit der besonderen Phase durch Corona. Da sind ja ganz andere Lebensumstände. Logischerweise können sich dadurch auch Bedürfnisse verändern. Weil wir zum Beispiel plötzlich nicht mehr dieses Team-Gefühl haben, weil wir nicht mehr in die Arbeit gehen, sondern alle Homeoffice machen. Dann fehlt mir plötzlich diese Gemeinschaft oder der Austausch oder was auch immer. Das heißt, Dinge brechen manchmal weg.
Und dann ist es auch logisch, dass es sich am Anfang erst ein bisschen unangenehm anfühlt.

Nadine: Man lässt sich leider oft fremdsteuern und will z.B. der Familie gefallen. Aber man möchte auch im Freundeskreis irgendwie gut ankommen.
Ich empfinde es als totale Erlösung, wenn man es geschafft hat, sich davon zu lösen.
Meine Freunde erziehen z.B. völlig anders wie wir. Weniger streng. Und trotzdem akzeptieren wir uns alle. Mögen uns alle.
Die einen schlafen zu viert im Familienbett. Das ist für uns völlig undenkbar. Es ist vielleicht Trend. Für uns funktioniert es aber nicht. Weder Kind noch Eltern schlafen gut. Warum soll ich da mitmachen?

Sei achtsam mit dir selbst

[00:31:42] Karima: Ich bin durch meine Diabetes so eine Power Maschine geworden.

Und wenn du dir nie die Zeit nimmst in dich hinein zu spüren, dann kannst du gar nicht merken, dass du auf dem falschen Weg bist.

Ich kenne so viele Mütter, die sofort nach der Arbeit zum Kindergarten und dann vom Kindergarten wieder nach Hause oder zum nächsten Play Date rennen.
Und dann kommt der Vater und und und.

Nehme ich mir die Zeit morgens, mittags oder abends? Aber sie sich überhaupt zu nehmen – das ist essentiell.

Quality Time

[00:34:27] Karima: Trotz alledem finde ich aber wichtig. Sich bewusst zu machen, dass es Quality Time gibt, bei der ich konsumiere, also bei der ich quasi Infos und Inspirationen bekomme. Es sollte aber auch Quality Time geben, in der ich mich mit mir beschäftige und nicht schon wieder Input dabei aufsauge.

Einfach nur mal da sitzen. Das halten viele Menschen schon gar nicht mehr aus. Da ist so schnell die Hand am Handy.

Nadine: Ja, da gebe ich dir recht. Man neigt dann doch dazu, sich wieder einfangen zu lassen von irgendetwas. Und dann dreht sich natürlich das Gedankenkarussell um dieses Thema.

Wie funktioniert Meditation?

[00:37:30] Karima: Das ist das Schöne an Meditation. Ich liebe Meditation deswegen, weil Meditation so facettenreich ist.

  • Es gibt eben die Meditation, bei der du in eine Kerzenflamme guckst und dadurch zur Ruhe kommst.
  • Es gibt die eine Atem Meditation.
  • Es gibt die Meditation, bei der du geführt wirst
  • und und und

Und so benutze auch ich immer die Techniken, bei denen ich gerade das Gefühl habe, dass sie mir gut tun.
Und dann merke ich manchmal, wenn ich  nur für mich meditiere, dass ich gar nicht so leicht runter komme.  Dann entscheide ich mich für eine geführte Meditation.
Letzten Endes musst du es einfach ausprobieren.
Wenn ich in meiner Mitte bin, dann ist es wirklich so, dass ich mich einfach hinsetze und erst einmal bewusst atme. Ich verbinde mich dann auch immer so nach unten. Da gibt’s ja auch die verschiedensten Techniken. Ich stelle mir vor, dass ich über mein Gesäß (oder wenn man von Chakren spricht, mit seinem Wurzelchakra) mit der Erde unter mir verbunden bin. Ich fühle mich dann wirklich verbunden. Genauso fühle ich mich dann auch dann auch wiederum nach oben verbunden. Und sehe mich als Teil einer großen Menschengemeinschaft. Das fördert an sich schon das Mitgefühl.

Das hört sich jetzt so irgendwie komisch an. Aber es ist eigentlich einfach eine super schöne Sache, weil du dann total geerdet bist nach diesen paar Minuten. Du fühlst dich aber irgendwie auch offen und inspiriert und verbunden. Und mit so einer Stärke kannst du in den Tag starten.

Nadine: Ich musste mir dafür aber auch ein bisschen Zeit geben. Vor einigen Jahrem habe ich das erste mal progressive Muskelentspannung gemacht. Sowas kannte ich nicht. Und da kam ich auch nicht gleich nach de, erstem Mal rein.

Die ersten ein, zwei Mal war es tatsächlich schwierig, weil eben das Kopfkino läuft. Man liegt da, es ist ruhig, es redet vorne jemand. Das fand ich zwar ganz angenehm, aber ich war oftmals gar nicht mehr dabei. Das sind auch wirklich Techniken, die man lernen muss.
Ich denke, da geht es vielen, dass sie sich nach Anleitungen sehen. EIgentlich genau so, wie du es auch mit deinem Buch gemacht hast. Eine Art Workbook zu haben, indem ich mir Dinge notieren kann.

Ich bin ganz bei mir selbst: Karimas Mitmachbuch für mehr Achtsamkeit

[00:41:37] Karima: Das ist genau mein Wunsch – dass das Buch nicht nur konsumiert wird, sondern als Workbook dient.

Aber es ist berechtigt, dass immer mehr Workbooks auf den Markt kommen, weil ich einfach auch widergespiegelt bekomme, dass die Leserin dadurch das Gelesene in ihr Leben integriert. Und heute können wir über Linkangaben auch noch mehr Nähe schaffen. Indem ich z.B. auf eingesprochenen Audios hinweise wie z.B. eine Meditation, bei der wir uns vorstellen, wie eine Blase mal auf und zugeht – genau in deinem Atem Rhythmus.

Es ist  ganz gut, wenn man vier Sekunden einatmet und dann sechs Sekunden langsam ausatmet.

Nadine: Es ist ja aber auch im Sport nicht anders. Wenn ich sage, ich möchte jetzt Turnen lernen, dann werde ich nicht auf einmal können.

Karima: Da sagt man ja auch so schön:

Um etwas zu lernen, musst du es tun, bevor du es kannst!

Also es ist eine Übungssache. Aber umso öfter ich das übe, desto leichter fällt es mir. Und was ich auch immer noch als wichtigen Tipp empfinde ist es, die Dinge auch wirklich in ruhigen Phasen zu lernen und zu üben. Ich will schließlich gestärkt sein, wenn dann dieser Sturm kommt und nicht erst im Sturm damit anfangen mich zu stärken.

Mit Achtsamkeit in die Weihnachtszeit

[00:48:33] Karima: Der Advent steht ja bevor. Und ich habe ein cooles Projekt gestaltet. Und zwar haben wir mit dem Groh-Verlag einen Adventskalender gemacht. Einen Achtsamkeit Adventskalender. Er heißt 24 Mal ich bin ganz bei mir selbst*. Und da kann man eben genau über dieses Prinzip der Mini Steps jeden Tag konkret eine kleine Aufgabe erledigen.

Oft macht einen die Weihnachtszeit nervös. Viele Meinungen, Erwartungshaltungen oder vielleicht auch Einsamkeit.
Jeden Tag wird im Kalender ein anderes Thema in den Mittelpunkt gestellt. Kleine Übungen oder Inspirationen. Und auf der anderen Seite ist dann immer noch ein schöner Spruch oder ein Zitat. Aber es geht finde ich vor allem um diese wirklich Anregungen, weil man dann eben wirklich sagen kann ich nicht dieses oh, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, sondern einfach ganz konkret.
Ich mache meine Arbeit wirklich mit Herzblut und stelle mir immer wieder die Frage: was kann ich machen, damit die Menschen ein paar Werkzeuge an die Hand bekommen, um Achtsamkeit in ihr Leben zu integrieren.
Denn letzten Endes profitieren wir alle davon. Ich profitiere ja auch davon, wenn mein Umfeld entspannter und gelassener ist.

Nadine:  Aber das hat jeder selbst im Griff. Ich habe gestern auch wieder so ein Beispiel erlebt. Wir mussten Mülltonnen verschieben um an Brennholz zu kommen. Und die Tonnen standen damit den radfahrern im Weg. Schon das erste verzogene Gesicht sprach Bände. Doch noch bevor er meckern konnte, habe ich einfch freundlich gegrüßt und plötzlich war alles ok.

Karima: Genau. Jeder kann den Anfang der Freude machen- also Freude verschenken.

Wenn der Gegenüber kein Lächeln hat, dann schenke ihm deins.

Aber dieses Lächeln kann natürlich nur authentisch sein, wenn du auch wirklich innerlich so eine Freude entwickeln kannst.

Nadine: Sehr schöne Worte, Karima. Ich danke dir sehr!

Mehr über Karima findest du hier.

Adventskalender*: 24 x Ich bin ganz bei mir selbst

Buch*: Ich bin ganz bei mir selbst

*Affiliate Link aus vollster Überzeugung

Karima Stockmann ueber Achtsamkeit
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