Deine 3 Optionen nach der Elternzeit

“Woran erkennt man eine gute Mutter im Angestellten-Job? Daran, dass keiner merkt, dass sie Mutter ist.”

Genauso wurde es mir beigebracht. Nicht von meiner Familie aber von Kollegen und den Personalabteilungen. Zumindest in meinen ersten Jobs wurde mit Sprüchen wie “du hast sicher einen Urlaubsschein abgegeben?” um sich geworfen, wenn man um 17.00 Uhr mal einen privaten Termin hatte. Das Ganze dann natürlich immer schön laut, damit es auch alle Kollegen mitbekommen.
Sorry, aber das ist doch einfach nur scheiße.

Ob sich jemand, der das nötig hat, wohl selbst gefragt hat, was er oder sie damit eigentlich bewirken möchte? Will man zeigen, dass man selbst brav im Sessel sitzen bleibt, bis keiner mehr sonst im Büro sitzt? Es hat doch überhaupt keinen Mehrwert für niemanden solch einen Spruch abzulassen, oder?
Wäre es nicht sehr viel klüger zu fragen, ob man dem Kollegen noch etwas abnehmen kann, damit dieser das gleiche dann auch einmal für mich erledigt?! Oder man am nächsten Tag gemeinsam Feierabend machen kann?

Aber Selbstreflexion ist eben Arbeit und muss man lernen.

Ich kann hier und heute große Töne spucken. Aber früher war ja meist auch ich diejenige, die als Letzte noch am Schreibtisch saß. Eben, weil es in meine damalige Lebenssituation gepasst hat und ich es schlicht und einfach (meist) gerne getan habe. Nur diese dummen Sprüche waren nie meins…

Nun sind das alles Erfahrungen, die viele von uns an irgendeiner Stelle auf der Karriereleiter vielleicht auch erlebt haben. Ob sie nun auf der Seite standen, die pünktlich nach Hause gingen, oder auf der Überstunden-Seite. 

Das spielt irgendwann alles überhaupt keine Rolle mehr.

Und zwar genau dann, wenn das Kind da ist und sich die Prioritäten ändern werden.

Solange du dich noch im Hamsterrad bzw. “täglich grüßt das Murmeltier- Modus” befindest, hast du weder Zeit noch Lust, noch die Notwendigkeit dein Leben zu hinterfragen.
Du funktionierst eben, gibst dir Mühe einen Ausgleich im Privatleben zu finden und wechselst hier und da die Position, wenn sich eine tolle Chance ergibt, oder der alte Job maximal unbefriedigend wird.
Aber so wirklich ans Ausbrechen wirst du eher selten gedacht haben, oder?

 

Und genau deshalb wird deine Elternzeit zur Chance deines Lebens!

Die ersten Monate nach der Geburt hat das Baby absolute Priorität in all deinen Gedanken. Es gibt kein anderes Thema und das macht dir sogar noch Spaß. Auch wenn du eigentlich nie so eine “duziduzidu”- Mama werden wolltest. So ein bisschen bist du es nun doch. Und das ist auch gut so.

Dein Angestellten-Hirn hat jetzt eben mal Pause. Das erste Mal seit der Ausbildung oder dem Studium.
Ein ziemlich befreiendes Gefühl, ne!?

Und trotzdem wird dir irgendwann etwas fehlen. Bestätigung, Wertschätzung oder einfach Kollegen. Bei der einen Mama kommt dieses Gefühl früher, bei der anderen etwas später.
Umso dankbarer können wir sein, dass Deutschland uns diese Wahnsinns-Möglichkeit bietet, drei Jahre aussetzen zu können. Deluxe nenne ich das.

Erst heute hatte ich ein Telefonat mit einer Mama aus Luxemburg, für die es völlig selbstverständlich ist, die Kids nach drei Monaten in die Vollzeitbetreuung zu geben. Selbst kranke Kinder dürfen abgegeben werden und geschlossen sind die Kitas lediglich eine Woche im Jahr. Für uns undenkbar.
Genau deshalb kann ich nicht verstehen, weshalb sich Mütter gegenseitig immer ein schlechtes Gewissen machen müssen:

“Wie – dein Kind geht schon in den Kindergarten? Bis 16.00 Uhr? Das ist aber lange”.
Obwohl nee. Eigentlich kommen solche Fragen eher unterschwellig in Richtung: “Trägt deiner nachts noch Windeln?” Mit Kind wird das ganze Leben irgendwie nur noch ein Vergleich. 

Statussymbole zählen nicht mehr. Wie weit die Kinder sind allerdings schon.

Nun schweife ich aber zu weit ab. Sorry.
Zurück zum Thema.

Kind da. Elternzeit. Neue Lebensphase. Neue Ideen.

Und genau an dieser Stelle stehst du nun. 

Direkt vor Tor 1,2 oder 3!

  • Tor 1. Zurück in den alten Job
  • Tor 2. Zurück ins alte Unternehmen. Teilzeit + Kleingewerbe nebenbei
  • Tor 3. Alles zurück auf Anfang und rein in das Abenteuer Selbstständigkeit

Jede Mama hat andere Beweggründe für ihre Entscheidung. Oft sind diese finanzieller Natur. Ein Haus will abbezahlt werden, der/die PartnerIn verdient nicht genug für alle oder der eigene Standard ist eben etwas zu hoch, als dass auf das Gehalt verzichtet werden könnte. Deshalb gehst du durch Tor No.1. Zurück in den alten Job.
Völlig verständlich.

Doch wie oft im Leben hast du die Chance, solche Entscheidungen zu treffen?
Rational gesehen natürlich dein Leben lang. Jeden einzelnen Tag.

Doch nehmen wir das nie so war.

Verpflichtungen schlagen meist Themen wie Mut oder Neugierde.

Tor No.2 war meine Wahl. Zurück ins alte Unternehmen. Teilzeit + Kleingewerbe nebenbei.

Ich hatte das Glück, meine Jobs in Anstellung immer gerne zu machen. Natürlich gab es auch Tiefs und Phasen, in denen ich am liebsten alles von heute auf morgen hingeschmissen hätte. Doch in Summe mochte ich meine Arbeitgeber alle sehr gerne (heine, Breuninger, ESPRIT & DEPOT).
Das konnte ich wohl auch an meine Chefinnen und Chefs zurückspielen und bekam nach der Elternzeit als erste Mitarbeiterin die Chance, meine Stelle komplett aus dem Homeoffice heraus auszuüben. 

Lediglich alle paar Wochen fuhr ich also die knapp 400km Richtung Aschaffenburg und freute mich auf die Kollegen.
Doch gestaltet sich eine 50%Teilzeit Position eben weniger kreativ und verantwortungsvoll als eine Führungsposition, weshalb ich mich parallel für “die kleine Schwester der Selbstständigkeit” entschied: Das Kleingewerbe.

Diese Option, beide Aufgaben erst einmal testen zu können und am Ende seinen persönlichen Favoriten zu küren, fand ich klasse.
Was dabei allerdings weniger klasse war, ist der Aufwand dahinter. Schließlich macht man einen Nebenjob nicht wirklich nebenher, sondern auch dieser beansprucht ein gewisses Zeitkontingent.

 
Irgendwann wirst du also sehr wahrscheinlich eine Entscheidung für oder gegen das “sichere” Anstellungsverhältnis treffen.
Ich persönlich habe mich dagegen entschieden und es keinen Tag bereut (außer an dem einen Tag im Monat, an dem ich mich mit dem Thema Buchhaltung beschäftige).

Tor No.3. Alles zurück auf Anfang und rein in das Abenteuer Selbstständigkeit
Ist definitiv die aufregendste Version mit den meisten Ungewissheiten. Spannend ohne Ende aber natürlich auch mit dem größten Risiko behaftet.
Sollte diese Option für dich zur Debatte stehen, möchte ich dir ein paar wichtige Tipps mit auf den Weg geben:

3 Pflichtaufgaben, bevor du dich für die Selbstständigkeit entscheidest

1. Kenne deine Ausgaben!

Das Thema Money Mindset bei Frauen wird zum Glück immer populärer. Komischerweise sind wir Ladys total emanzipiert und (finanziell) unabhängig. Und zwar genau so lange, bis die Kinder kommen. 

Dieses Lebensereignis katapultiert uns leider gerne mal zurück in die 50er und wir entwickeln eine ungesunde Abhängigkeit, die vielen in Form der Altersarmut auf die Füße fallen wird.

Deine Aufgabe:


Nimm Papier und Stift (oder eine Tabelle) und logge dich in alle deine (eure) Konten ein. 

Und nun notierst du dir ALLE Ausgaben über mindestens 1-2 Jahre. Nicht nur über ein paar Monate (manches zahlst du nämlich jährlich, wie zB eine Versicherung)! 

Und bevor du diese Ausgaben nicht kennst, solltest du solch eine Entscheidung mit dieser Tragweite einfach noch nicht treffen.

Weitere Tipps, wie du dir eine Liste erstellen kannst, findest du hier.

2. Bespreche die Idee mit deiner Familie

Und hier meine ich natürlich an 1. Stelle mit deinem Partner oder deiner Partnerin. Solltest du alleinerziehend sein, ist vielleicht die nahe Verwandtschaft in das Thema Betreuung involviert und du bist von ihrem guten Willen abhängig. Es wird dich am Ende nämlich nicht glücklich machen, wenn du dich jeden Tag aufs Neue für deine Entscheidung rechtfertigen musst. Sprecht also offen über deine Beweggründe und Ziele der Idee “Selbstständigkeit”.

3. Prüfe deine Idee

Manchmal hat man den Gedanken, das Rad neu erfunden zu haben. Nach einigen Gesprächen stellst du aber vielleicht fest, dass jemand anderes schneller war. Hinterfrage dich und deine Businessidee deshalb kritisch. Und das am besten nicht alleine, sondern direkt mit potenziellen Kunden. Welches Problem willst du für wen lösen?

Spreche mit genau diesen Menschen über deinen Plan. In Foren oder Social-Media Gruppen findest du hierfür sicherlich Ansprechpartner. Stehen dir Menschen persönlich nahe, sind sie nicht immer ehrlich genug. Sie wollen dich schließlich nicht verletzten. Doch genau diese unangenehmen Fragen fremder Menschen helfen dir bei der Entscheidung. Nutze also diese Möglichkeit unbedingt.

Du siehst, den besten Weg gibt es nicht. Eine von uns hat mehr Mut. Die andere weniger. Die eine braucht das Geld dringender als die andere und die dritte kann die volle Selbstständigkeit mit drei Kinder einfach zeitlich nicht wuppen.
Keiner darf für seine persönliche Entscheidung kritisiert werden.
Wir Mamas sollten uns bestärken. Und das nicht nur im Business, sondern in jeder Lebensphase!

Und vor welchem Tor stehst du gerade?

Entscheidung-was passiert nach der Elternzeit
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